Sonntag, 2. Dezember 2007

Der Weg nach Kambodscha

Lieber Blogleser, zurecht kamen in der letzten Zeit immer wieder Beschwerden auf, dass meine Blogeintraege seltener und dafür aber umso länger sind. Speziell Toms Kommentar hat mir das nochmal verdeutlicht. Daran werden wir jetzt etwas ändern. Denn wenn ich eines hier gelernt habe, dann ist es die Art und Weise wie man mit Problemen oder Schikanen umgeht. Einfachster Ansatz, man sucht nach einer Lösung. Diese Lösung sieht so aus, dass es in Zukunft einfach wieder öfter, aber dafür kürzere Blogeintraege geben wird, die dann auch mittagspausengerecht gelesen werden können. Bilder gibt es dann natürlich auch immer noch, aber eben nicht mehr in der Hülle und Fülle wie man sie in einem größeren Eintrag findet. Viel ist passiert und viel zu wenig wurde von alledem niedergeschrieben, weshalb ich mein Hauptaugenmerk einmal mehr auf die Kernpunkte lenken werde.

Der letzte Anhaltspunkt aus dem letzten Blogeintrag findet sich bei den Elefanten, die Andrea und mit Freude fütterten. Nachdem auch dieser kleine Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden und gegen den scheinbar immerwährenden Hunger der grauen Riesen geleistet war, steuerten wir in unserem roten Toyota-Pickup die thailändische Grenzstadt Aranyaprathet an.
Unser weg führte uns über die Hochebenen des Khao Yai. Eine Landschaft, die sich in ihrer Ausprägung völlig vom ländlichen Thailand unterscheidet. Über einige Serpentinen fuhren wir langsam einem riesigen Plateau entgegen, während sich an den Straßenseiten riesige Felder voller stilvoll angelegter botanischer Gärten mit anderen kunstvollen Bepflanzungen abwechselten. Allein die Landschaft hier, die geographisch dem Isan zugeordnet wird, war ein echtes Erlebnis. Nach und nach erblickten wir riesige Villen



Die man dort sicherlich für einen relativen Spottpreis bauen oder fertig kaufen konnte. Die Landschaft war wunderschön, mitten in der Natur, aber daher auch völlig am Arsch der Welt. Zum Einkaufen trivialer Dinge des täglichen Bedarfs hat man hier mindestens eine Stunde Autofahrt vor sich. Auch hatte ich in weiser Voraussicht nochmals voll getankt, was sich im Nachhinein auch als sinnvoll erwies. Aber für uns, die ja nicht gleich hier in eine Villa einziehen wollten, war allein der Anblick fantastisch. Die Seenplattform auf der Hochebene des Khao Yai gab dem ganzen Ensemble aus stilvollen Häusern und umwerfend schönen Feldern das
i-Tüpfelchen.



In Aranyaprathet angekommen bahnten sich alte Erinnerungen den Weg in mein Bewusstsein. Ganz unbekannt war mir der Grenzübergang dort ja nicht, und nachdem Erlebnis mit Chris auch nicht mit allzu guten Erinnerungen verknüpft. Aber jedenfalls wussten wir ja jetzt auf was wir achten sollten und was man für diverse Leistungen zahlen darf. In Aranyaprathet suchten wir zuerst ein Einkaufscenter auf um uns der aufgenommenen Flüssigkeiten zu entledigen. Schon dort, das Einkaufszentrum lag etwa 800m vom Grenzübergang entfernt, belästigten uns die ersten Visaboys mit völlig überzogenen Preisen. Als sich dann nach kurzer Zeit noch alte Damen hinzugesellten, die verzweifelt versuchten Einkaufswägen voller Kleinzeug zu verkaufen, flüchteten wir. Am öffentlichen, bewachten Parkplatz von Aranvaprathet stellten wir unser Auto für 3 Tage ab und zahlten dafür noch einigermaßen humane 300 Baht (=6 euro). Natürlich überrannten uns auch hier gleich wieder die Visaboys in Scharen und versuchten den letzten Penny aus den reichen Farangs im Schrottauto zu pressen. Hier schien es egal zu sein welche Aufschrift auf dem Wagen steht. Ob UNESCO, WWF, Red Cross Association, Wannaratvittayaschule oder Al Quaida, sie hätten aus allen den letzten Cent herausgekitzelt. An sich arbeiten die Visaboys ja auch gut und bieten einen akzeptablen Service. Nur leider zu völlig inakzeptable Preisen. Dennoch bot mir ein Visaboy plötzlich ein durchaus akzeptables Angebot mit Visa und Taxi an. Warum ich darauf einging weiß ich heute noch immer nicht genau… Es hörte sich preislich gut an und man schien keinerlei Verluste zu machen. Wie gewohnt wollten die Boys mit unseren Pässen verschwinden, was ich aber nicht zuließ und darauf bestand mitzukommen. So fuhr ich mit einem der Visaboys zur kambodschanischen Botschaft in Aranyaprathet, während Andrea am Grenzübergang wartete. Obwohl ich den Ablauf kannte und ihr versicherte, dass nichts passieren würde, sah sie doch sehr erleichtert aus, als ich mit beiden Pässen und dem entsprechendem Visa zurückkam. Wir passierten die Grenze ohne weitere Zwischenfälle. Verlässt man die thailändischen Emigrationsgebäude findet man sich plötzlich in einem ca. 1km breiten Grenzstreifen wieder, der rechtlich weder zu Thailand noch zu Kambodscha gehört. Er liegt zwischen den thailändischen Emigrationsgebäuden und den kambodschanischen Immigrationsgebäuden und unterliegt damit weder dem einem noch dem anderen Rechtssystem. Diese staatenfreie Zone nutzten diverse Investoren aus, um hier Casinos und Stundenhotels wie Pilze aus dem Boden schießen zu lassen. Viele Thais, für die das Glückspiel neben Alkohol, Kreditüberzug und Untreue das größte Übel und gleichzeitig die größte Versuchung darstellt, finden hier endlich ein Plätzchen zum „gamblen“. In Thailand sind Casinos und das illegale Glückspiel verboten. An den Wochenenden pilgern daher Heerscharen nach Kambodscha um sich im Vorhof der Hölle, der den Namen Poipet trägt, zu vergnügen. Hier findet der Kleinkriminelle bis zum Mafiaboss all die Ware, die er für sein Geschäft benötigt. Ein Handelsplatz für Drogen, Glücksspiel, Waffen; überschattet von einem vergilbten UNESCO Poster mit der Aufschrift „against child exploitation“. Wir entschieden uns im Geleitschutz der Visaboys mehr oder weniger freiwillig für ein Taxi, das zweifellos auch von der Mafia kontrolliert wurde. Hätte ich mich nicht über die strecke und die typischen Taxis informiert, hätten mich vermutlich keine zehn Pferde in diese Karre gebracht. Aber da alle Merkmale stimmten, stiegen wir ein. Das äußere Erscheinungsbild des Taxis fiel im verschlammten Gesicht der Grenzstadt Poipet nicht auf, ließ aber unzweifelhaft erahnen, wie due vor uns liegende Strecke beschaffen war.



Schon in Poipet, einer größeren Stadt Kambodschas, waren die Straßen nicht gepflastert. Man fuhr quasi auf dem nackten Boden der Natur, der jedem Stoßdämpfer den Gnadenstoß versetzte. Es begrüßte uns unser Taxifahrer, der verhältnismäßig gut Englisch sprach und mit zwei unterschiedlich hoch angesiedelten Nasenlöchern etwas seltsam aus der Wäsche guckte. Aber schließlich musste weder Andrea noch ich den Mann heiraten, sondern verlangten lediglich in einem Stück nach Siem Raep zu gelangen. Wir fuhren zur Tankstelle, da der Tank nach der Strecke Siem Raep – Poipet fasst leer war. Das zumindest verriet die Tanknadel, die wir noch lernen sollten, aber auch nicht immer das letzte Wort hat. Wenig erstaunt findet man unter dem Namen Tankstelle keine moderne Tankstelle mit Zapfsaeulen wie wir sie kennen, sondern lediglich eine Ansammlung an Gasflaschen unter einem Vordach, das von oben bis unten mit Schlamm, Staub und Dreck übersäht ist.



Aber immerhin tanken sie kein Diesel oder Super, sondern Gas, weil sie sich das teure Benzin nicht leisten können. So wie sich die Benzinpreise in Deutschland Tag für Tag den Rang ablaufen, können wir das bald auch nicht mehr. Dennoch ist Kambodscha in diesem Teil als Entwicklungsland nach Bürgerkrieg den Deutschen Meilen voraus. Wenn die deutschen und speziell die Lobby der Automobilindustrie wollte, dass wir in Deutschland alle günstiger fahren können, könnten wir das sicherlich seit Jahren bereits realisiert haben.
Die folgenden Stunden in unserem Taxi waren schlichtweg ein Erlebnis, das sich etwas mehr als drei Stunden hinzog und unsere Bandscheiben heftig straperzierte. Grundsätzlich kann man natürlich auch mit Bangkok Airways für 200 Euro fliegen, zahlt aber somit das vierfache. Allen Herrschaften des mittleren Alters, womit ich die Altersgruppe 40+ meine, würde ich diese Art des Transports jedoch nicht mehr zumuten. Wer einmal in einem Taxi von Aranyaprathet nach Poipet gesessen hat, kann nur noch müde lächeln wenn DSF in einer Rallye Dakar Ausstrahlung mit dem Spruch: „mittendrin statt nur dabei“ wirbt. Mit über drei Stunden Fahrzeit wurden wir aber wohl noch ganz gut behandelt. Im Internet gibt es Beschreibungen von 2 Stunden Fahrzeit. Ich möchte nicht wissen, wie man sich nach einem solchen Trip fühlt. Eine kleine Bemerkung noch am Rande. Der Taxifahrer erhält für diese Fahrt umgerechnet etwa 8 Euro inkl. Spritgeld, während die Mafiavermittler (also die Visaboys) die restlichen 32 Euro einsacken. An den Straßenrändern, sahen wir die Gebäude der einheimischen, die sich als Mischung aus Wellblechhütten und Holzverschlägen beschreiben lassen. Nackte Kinder sprangen in die trüben Pfützen vor den Häusern und badeten darin, während einige Meter weiter Stände aufgebaut waren, wo Benzin in gebrauchten Cola und Fanta PET Flaschen verkauft wurde. Mein erster Gedanke galt selbst gepresstem Apfelsaft, bevor mich unser Taxifahrer aufklärte. Die Armut ist selbst in den ländlichen Gebieten Thailands, keineswegs mit der Armut in Kambodscha zu vergleichen. Die Thais haben immerhin eine Infrastruktur, was man von Kambodscha nicht wirklich behaupten kann. Immer wieder erblickt man aber auch große Häuser im westlichen Stil zwischen den Baracken, was die ungleiche Verteilung des Geldes im Land widerspiegelt. Ebenso wie in Thailand hat Kambodscha mit schwerer Korruption und Vetternwirtschaft zu kämpfen.

Es war schon spät und die verstaubte Straße, deren Dreckschwaden von den Scheinwerfern der Taxis dumpf durchstoßen wurden, wirkte wie ein Feldweg ins Nirgendwo. Plötzlich aber hörte das Ruckeln schlagartig auf und wir fuhren auf einer perfekt asphaltierten Straße, wie wir sie schon aus Thailand gewohnt waren. Wenige Minuten später tat sich eine hell erleuchtete Straße vor uns auf, während links und rechts die ersten großen Hotelbauten in Sicht rückten. Siem Raep schien wie eine Insel im Ozean oder wie Las Vegas in der Wüste. Noch kurz vorher hätte man sich verloren glauben können und plötzlich fand man sich in der weltgrößten Ansammlung an Fünfsternehotels in einer Straße wieder. Paradoxen, die viele Fragen aufgeben. Noch vor wenigen Jahren, haben sich die Menschen in den Vorsiedlungen Siem Raeps noch Affen auf den Rücken gesetzt, der den entsprechenden Menschen dann lauste. Derartige Dinge haben wir nicht mehr gesehen, aber dennoch ist der Unterschied vom Land zu Siem Raep gewaltig und bedrückend. Auch wir kehrten in ein recht schönes 5 Sterne Hotel mit Namen Lotus Angkor ein, das schlicht und edel designed, einen erholsamen Aufenthalt versprach. Nachdem die Formalitäten an der Rezeption erledigt waren, genossen wir es endlich in die weichen Federn des Hotelbetts zu versinken und unsere Wirbelsäule zu entlasten.



Zuvor hatte ich dem Hotel mitgeteilt, dass sie doch bitte Vorbereitungen für ein Honeymoon treffen sollten, was sich in einer Blumengefüllten Badewanne und einem mit Rosenblättern geziertem Bett manifestierte. Allerdings fiel mir das alles erst wirklich auf, als mir meine Angebetete als Dank um den Hals fiel. Das Zimmer war geräumig, klassisch designed und gefiel uns sehr. Speziell die warme Dusche, die weder einem arktischen Wasserfall noch einem Kärcher Hochdruckreiniger glich, fand meine Begeisterung. Allerdings musste man erstmal das ganze Honeymoon-Grünzeug aus der Wanne entfernen, bevor man ein Bad nehmen konnte.



Es dauerte nicht wirklich lange, bis uns der Hunger nach draußen trieb und wir einen Tuktuk Fahrer baten uns in ein original Khmer Restaurant zu fahren. Wir landeten in einem sterilem Tourischuppen, der kurz darauf von einer Busladung deutscher Senioren aufgesucht wurde. Es schien als hätte das Altersheim spontan einen Ausflug nach Siem Raep unternommen. Allerdings konnten wir vom Ober einen preiswerten Tuktukfahrer vermittelt bekommen, der uns am nächsten Tag zu den Tempelruinen von Angkor bringen sollte. Nach der an sich ganz verträglichen Mahlzeit, setzte das postprandiale Vigilanzsupressionssyndrom ein und förderte einen fix eintretenden erholsamen Schlaf.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Phil,
Willkommen zurück in der Welt!!
Ich habe schon angefangen, mir Sorgen zu machen.
Euer Kambodschaabenteuer hat ja ganz gut angefangen. Die Verbindung von Aranjaprateth/Poipet nach Sie Reap ist immer noch in einem bedauerlichen Zustand. Das nimmt um so mehr Wunder, wenn man weiß, daß in zwischen die anderen großen Verkehrsverbindungen im Land gar nicht so schlecht sind, aich wenn sie das thailändische Niveau noch nicht erreichen. Die Straße von Siem Reap nach Phnom Penh oder die Sraße von Battambang nach Phnom Penh ist in gutem Zustand, das gilt auch für die Straße von Phnom Penh nach Sihanoukville. Hier fahren regelmäßig Busse mit Aircon, die Preise sind etwa auf thailändischem Niveau. Ich frage mich schon seit Jahren, wer einen Vorteil dsavon hat, daß die Straßenverbindung zwischen Poipet und Siem Reap einfach nicht so richtig fertig werden will. Ob das wohl die Flughafengesellschaft in Siem Reap ist, die befürchten müßte, daß bei guter Straßenverkehrsanbindung vile Kunden in den Bus umsteigen würden?
Na ja, ich bin gespannt, wie es bei euch weiterging.
Sonnige Grüße aus Sihanoukville
Wolfram

Anonym hat gesagt…

Hi Phil,
freue mich das man mal wieder was von dir liest. Finde auch toll das du wieder kürzere Blogs schreibst da diese einfach schneller mal zu lesen sind. Dank deinem Dad sind wir ja immer halbwegs auf dem laufenden.
Leider ist dein Abenteuer bald zu Ende und du musst zurück ins kalte Deutschland. Freue mich darauf Liveberichte von dir zu erhalten und vieleicht sehen wir uns noch dieses Jahr.
Bis dahin noch viel Spaß und eine schöne Zeit noch.
Sebastian

PS: Kleiner Tipp am rande dein Dad hat mir gesagt dir sei kalt in Thailand wenn du dir also einen neuen pulli kaufst denk daran bei uns is es noch kühler :-).

Deine Ehegattin hat gesagt…

Dir ist kalt?!
Dann wird es wohl Zeit, dass ich dich warmhalte.
Kuss, Andrea

Willi hat gesagt…

Hi Phil,
auch von mir mal wieder eine kleine "Hinterlassenschaft". Waren grad im Urlaub auf Isla Margarita (Venezuela). Wir kennen daher die Strassenverhältnisse recht gut. Aber nur wenn man abseits der Hauptstrassen fährt und es nicht geregnet hat. Sonst sieht dein Auto auch so erdfarben aus. Der Sprit ist supergenial günstig!! Da zahlt man fürs Volltanken ungefähr 70 CENT!! Aber nicht aus Kannistern, sondern mit dem Service eines Tankwarts!!
Ich freue mich ebenfalls auf kürzere, aber häufigere Einträge von Dir!
Bis bald, machs gut, und ich hoffe, die Temperatur ist wieder gestiegen!

Grüße aus Baden, Willi