So meine lieben Leser, nach längerer Abstinenz gibt es endlich wieder was zu lesen und natürlich auch wieder etliche Bilder für die Guckerfraktion, die sicher schon ganz ungeduldig auf neue Posts wartet. Es gibt eine ganze Menge zu erzaehlen, so dass ich aus Zeitgruenden wahrscheinlich nur die Hälfte erzaehlen kann, und mich dabei auf die wichtigsten Dinge beschränken muss. Anders würde ich mit meiner Ferienbeschreibung noch nicht fertig sein, wenn mein Flugzeug bereits deutschen Boden berührt. Lange Zeit hatte ich auf den 25. September hingefiebert, hatte Kalender gebastelt, an dem ich jeden Tag einen Tageszettel abziehen konnte. An jenem Tag fiel also der letzte Zettel und ich machte mich mit dem Bus auf zum Flughafen um jene Frau empfangen, die ich über Monate herbeigesehnt hatte. Einige werden sich jetzt sicher fragen, von wem ich denn da spreche, da es ja vor meinem Abflug noch kein weibliches Wesen an meiner Seite gab. Aber evtl. entsinnt ihr euch an einige Schriebe aus den Anfängen des Blogs, in denen ich immer wieder auf eine Frau hinwies, die mir schon in Deutschland innerhalb weniger Stunden sehr ans Herz gewachsen war und auch sie war der Grund, warum ich meine Finger von der Irin im Camp ließ. Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwieriger, da Khom Khai, der seit Jahren kein Bus mehr gefahren ist, mal wieder meinte, die Busverbindungen besser zu kennen als ich und warf damit noch morgens meine Planung völlig durcheinander und stellte mir kein Auto zur Verfügung, mit dem ich an die Bushaltestelle fahren wollte. Wohlgemerkt hatte er am Vorabend noch alles so bestätigt wie ich es geplant hatte. Aber in Thailand heißt das nicht wirklich was, weshalb ich das alles auch noch sehr gelassen nahm. Meines Gastvaters Plan war es mich in einen Van zu setzen, der als Busersatz schneller und ohne Stopps direkt nach Bangkok durchfahren würde. Natürlich warf diese Vanvariante auch meinen Zeitplan durcheinander, so dass ich 3,5 Stunden zu früh am Flughafen stand, obwohl der Van zwischendurch 2 Stopps zum Essen einlegte, die ihn langsamer machten als ein Bus. Aber mir sollte an diesem Tag alles egal sein, da der Moment in dem Andrea in meinen Armen liegen würde, für all das entschädigen würde. So kam es dann auch. Glücklich und überzufrieden traten wir die Rückreise mit Taxi und Bus an bis wir spät abends nach dem Kofferpacken in Khom Khais „Manorom Resort“ eintrafen.

Nun ist Resort vielleicht ein etwas inadequater Ausdruck für die Billigabsteige, die aber immerhin eine warme Dusche mit Durchlauferhitzer zu bieten hatte. Demnach schon mal eine große Steigerung zu meiner morgendlich kalten Dusche in meinem Haus. Das Zimmer kostet in der Regel 9 Euro pro Nacht mit Klimaanlage und thailaendischem Fernsehen. Die Betten, wie meine Erzeuger bestätigen können, erinnern in der Regel an eine massive Holzplatte die unwillkürlich an einen Tischplatte erinnert. Bis heute habe ich noch nicht herausgefunden mit was die Thais ihre Matratzen befüllen, aber vermutlich ist es eine Substanz deren gefühlte Viskosität und Weichheit zwischen der von Massivholz und Zement anzusiedeln ist. In der ersten Nacht hatten wir sogar noch Glück und erwischten ein Zimmer mit Spiralmatratze, die zwar nicht ganz so hart war wie die übrigen Matratze, dafür aber mit harten Drahtspiralen aufwartete, die sich unangenehm in den Rücken bohrten. Auch wenn es für Andrea sicherlich ein Rückschritt in Sachen Komfort war, war es doch für uns beide gefühlsmäßig ein großer Fortschritt endlich nebeneinander zu liegen (diesen Satz habe ich bekennender Weise geklaut, er stammt aus einem unserer Briefwechsel).
Der nächste Tag führte uns in meinem alten neuen Toyota Pickup in den Nationalpark. Im Verlauf der Woche hatte ich der Rostlaube durch ein bisschen Bastlerei eine HiFi Anlage mit 6 GB Speicherplatz und digitaler Touchpadsteuerung verpasst. Praktisch sah das so aus, dass ich einen der Ghettoblaster der Schule mit einer Adapterkassette versah, und meinen iPOD daran anhängte. Ein 30er Pack D-Zellen aus dem Supermarkt komplettierte das „Hifi-Monster“. Mein Freund Martin, dessen Auto sich lediglich durch Schalldruck aus dem Kofferraum fortbewegen könnte, wird sich sicherlich die Haare raufen, wenn er diese Konstruktion hier sieht.

Zwar sprang der Playknopf einige Male wieder raus, was aber durch den guten alten Tapestreifen schnell behoben werden konnte. Die Idee mit dem Pflaster kam mir aus der Erfahrung bei Fielmann. Dort klebten unsere Kunden ihre Brillen (medizinische Geräte) auch überverhältnismäßig oft mit Pflastern zusammen. Warum also nicht auch beim Ghettoblaster.
Bevor wir das Hotel erreichten, machten wir an dem Outletcenter, das ich zuvor schon mal mit Chris und anderen Freiwilligen aufgesucht hatte halt, und gaben uns dem hemmungslosen Kaufrausch hin. Nach einigen Stunden, hatten wir so ziemlich alle Geschäfte abgeklappert die sich am Ort befanden und fanden uns mit einer übergroßen Anzahl an Tüten an unserem Ausgangsshop wieder. An dieser Stelle sei jedem das Outletshoppen in Thailand geraten. In Bangkok mag es riesige Designerkaufhäuser geben, aber was den Preis angeht schlagen diese Outlets im Nordosten Thailands jeden Einkaufstempel, den ich in Bangkok gesehen habe.

Nach einer kaum geschlafenen Nacht und einer hemmungslosen Shoppingtour kamen wir spät Abends in unserem Hotel an. Das Greenery Resort im Khao Yai Park gehört zweifellos zu den besten und zudem auch noch günstigsten Resorts in der Parkgegend. Obendrein wurde uns auch noch ein Premierzimmer anstatt eines Superiorzimmers kostenlos gesponsert. Als Grund fungierte vermutlich eine Überbuchung mit thailändischen Gästen, die in diesem Hotel so gut wie jeden Tag heftige Karaokeparties feiern. Ansonsten aber hat das Hotel noch einen riesigen Adventurepark zu bieten, von dem wir allerdings ebenso wenig gebraucht machten wie von den Karaokeparties. Als dann zu später Stunde auch die letzte Lärmquelle erloschen war, ruhten auch wir.
Am kommenden Tag hieß es früh aufstehen, da ich meinen Weg nicht mit Touristenmassen teilen wollte. Wie gewöhnlich brachte ich meine Angebetete und mich als Lehrer für 40 statt der 400 Baht in den Park und fand mich nach wenigen Minuten in einem menschenleeren Nationalpark wieder. Es gestaltete sich sogar etwas schwierig an einem Viewpoint ein Foto von uns zu machen, da weit und breit keine Menschenseele in Sicht war.

Gemeinsam blickten wir über die schier endlosen Weiten des Khao Yai, was übersetzt so viel heißt wie „große Berge“, und genossen diesen Ausblick als Vorbote einer wundersamen Zeit. Wir wanderten durch Urwaldpfade, vorbei an Seen und Saltlicks. Durch hohes Schilfgras und durch Gebüsch. Plötzlich wurde unser Guide aufmerksam, da er ein Knacken gehört hatte. Mein erster Gedanke bei solchen Situationen galt immer einem wilden Tiger, von denen es ja immer noch welche im Park geben soll. Und wie sich noch herausstellen sollte waren die Tiger für einen späteren Zeitpunkt meines Lebens vorbehalten. Das Geräusch aber kam von den Bäumen und es dauerte nicht lange bis wir schwarze Gibbons und andere Affen auf den Urwaldriesen turnen sahen. Wenn ihr das Bild vergrößert könnt ihr den Affen auch sehen. Sollte die Vergrößerung wie so oft nicht funktionieren, könnt ihr alle Bilder dieses Blogs auch im gleichnamigen Picasa Ordner abrufen. Die Adresse für den Picasazugang gebe ich am Ende des Posts bekannt.

Unser Trip durch den Nationalpark führte uns natürlich auch an den Wasserfällen vorbei, die auch im Film „The Beach“ Verwendung fanden, vorbei an unzähligen Bäumen, die mit ihrer Form und Gestalt Inspiration für jeden Fantasieroman brachten. Da sich auch mit der Zeit nicht mehr Menschen zu uns gesellten als es schon am Viewpoint waren, experimentierten wir fleißig mit dem Selbstauslöser weiter, der so manche Momentaufnahme produzierte.

Auf unserem Weg zum letzten Wasserfall begegneten wir der Topattraktion unseres Trips. Plötzlich als wir um eine Kurve bogen, griff ich meiner Beifahrerin an den Arm und machte sie mit offenem Mund staunend auf einen Hügel am Straßenrand aufmerksam, auf dem ein deutlich wilder, zerfletterter alter Elefantenbulle stand. Das musste natürlich für ein Motiv herhalten, so dass ich mich langsam näherte. Weit und breit war keine Menschenseele in Sicht, so dass wir diesen Augenblick ganz für uns allein hatten. Elefanten sieht man ja überall, aber wirklich wilde Elefanten sieht man selten. Bei meinem letzten Besuch hatten wir vergebens nach ihnen gesucht. An der Straße hielt ich an, ließ

den Motor laufen und die Tür weit offen als ich das Auto mit eingeschalteter Kamera verließ. Sehr vorsichtig näherte ich mich dem grauen Riesen, der plötzlich unvorhersehbar auf mich los galoppierte. Anstatt den normalen von mir gedachten Weg zu nehmen, trampelte der Bulle mit fächernden Ohren direkt den Abhang herunter auf mich zu. Diese so träge scheinenden grauen Massen können ganz schön schnell sein, wenn man sie reizt, habe ich festgestellt. Andrea schrie im Auto nach mir, während ich zügig meine Beine in die Hand nahm, mich hinter das Steuer klemmte und mit quitschenden Reifen dem

Elefanten die Rücklichter zeigte, der Gott sei dank auf der Hälfte der Strecke, nachdem ich die Flucht ergriffen hatte, stehen geblieben war. Mit klopfenden Herzen und einer ungekannten Adrenalinkonzentration im Blut war uns dieser Augenblick in unser Gedächtnis eingebrannt worden. Das allerdings sollte uns nicht daran hindern auf dem Rückweg bei einer ganzen Herde wieder stehen zu bleiben, bis wiederum ein Elefant auf unser Auto zugaloppierte und ich schon den zweiten Kreidlerstart an diesem Tag auf die Straße brachte. Weniger Meter weiter machten wir Bekanntschaft mit Paul.

Paul ist ein Pavian, der seinen Namen ganz spontan erhielt und sicherlich zu den arrogantesten und eitelsten Affen in ganz Thailand zählt, wie die Bilder eindeutig zeigen. Vorerst bat Paul höflich im Stehen um eine Mitfahrgelegenheit wandte dann aber voller Verachtung den Kopf ab, nachdem er unsere Rostlaube und ihre zwei Insassen genauer in Augenschein genommen hatte.

Ansonsten genossen wir weiterhin die wunderschönen Landschaften des Parks, trafen aber abgesehen von einer Schlange die uns über den Weg kroch nichts weltbewegendes, was der Tierwelt zugeordnet hätte werden können. Nach einem letzten Blick vom höchsten Viewpoint, der leider durch einige Nebelschwaden schon eingetrübt war, machten wir uns auf den Weg nach ins Hotel.

Allerdings hatten die Nebelschwaden auch einen anderen überragenden Effekt, da man so das Gefühl hatte über den Wolken zu stehen, die durch das darunter liegende Tal zogen. Für die Rückfahrt gab es nur eine mögliche Strecke, nämlich die, die wir auch gekommen waren. Mir war die Strecke noch wohl bekannt, da wir sie beim letzten Mal mit dem Schulbus bei Dunkelheit gemeistert hatten. Gemeistert deshalb, weil die hälfte der Strecke von starken Regengüssen und anderen physikalischen Verwitterungserscheinungen quasi wegerodiert worden war. Große Tiefenerrosionen hatten den Asphalt unterspült und einfach abgetragen. Dennoch machte unser 20 Jahre alter, roter Toyota auch hier nicht schlapp und brachte uns wieder gut vom Berg. Einziges Manko bei der Fahrt, waren die Scheiben, die unablässig beschlugen, je mehr wir an Höhenmetern verloren. Schließlich entschloss ich mich anzuhalten, die Handbremse zu ziehen und die Scheiben mit einem Tempo sauber zu machen.

Als das dann erledigt war, stieg ich wieder ein und machte mich daran die Handbremse zu lösen, was mir aber leider nicht so wirklich gelingen wollte. Nicht weil ich zu dämlich war eine gewöhnliche Handbremse zu lösen, sondern weil ich eine solche Art von Handbremse, die man quasi als ein Stab unter dem Lenkrad herauszog und dabei noch drehen musste, noch nie zuvor gesehen hatte. Ich versuchte und drückte, drehte, zog und schob, aber zurrte die Bremse dadurch nur noch fester. Da standen wir also mitten im Nationalpark während es schon recht dunkel wurde. Mitten im nirgendwo umgeben von riesigen Schilfgrasfeldern und sonst nichts. Das Headquarter lag gute 10km entfernt und weit und breit war kein Auto zu sehen. Aber ich hatte ja noch mein Handy dabei, das für solche Fälle sehr nützlich ist. So ruf ich Khom Khai an und fragte wie man diese thailändischen Handbremsen lösen konnte, der mir aber auf Grund miserabler Englischkenntnisse auch nicht weiterhelfen konnte. So gab er mir nur den Hinweis „Put up in the sky“, den ich am Telefon etwas zweifelnd laut wiederholte und von ihm bestätigt hörte, woraufhin meine Gattin die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Gott sei dank war ich mittlerweile soweit zu bemerken, dass Khom Khai mehr Schrott erzählt als das er nützliche Infos von sich gibt, was mich dazu brachte es zwar zu versuchen, aber nicht mit aller Gewalt dem Folge zu leisten. Hätte ich das Dinge denn wirklich „up in the sky“ gezogen, wäre vermutlich der ganze Hebel abgebrochen. Kurz darauf fuhr ein Thailaender mit seinem Wagen in Richtung unserer Position, so dass ich diesen dann auch gleich anhalten und um Hilfe bitten konnte. Der Gute Mann stieg aus seinem Wagen und lief zu unserem Pickup, während ich ihm das Problem erklärte, schwang sich gekonnt hinters Lenkrad, drehte die Handbremse in eine bestimmte Position und schob sie dann mit einem leichten Druck zurück in den Motorraum, nickte und verabschiedete sich. So viel also zu „put up in the sky“. Ich kam mir ziemlich dämlich vor und vermutlich war ich das sogar auch in den Augen des Thais. Dennoch war ich einfach froh, jetzt ganz gewöhnlich nach Hause fahren zu können und ein Hotelbett dem Schilffeld vorziehen zu können.
Unser Abendessen nahmen wir in einem Restaurant ein, dass wir schon bei der Hinfahrt vom Straßenrand aus gesehen hatten. Die Speisekarte war köstlich, die Weine gut und das Ambiente einfach bezaubernd. So spielte während unseres gesamten Aufenthalts ein Ensemble aus Gitarre, Ziehharmonika, Banjo und Kontrabass nur für uns, während wir auf einer Holzebene über einem kleinen See mit Blick auf die Rosenbeete des Restaurants unsere Speisen genossen. Ein sehr exquisites und nicht gerade billiges Unterfangen, aber definitiv seinen Preis wert, der in Thailand ja immer noch deutlich niedriger angesiedelt ist als in Deutschland. Die Nacht im Greenery war ebenso angenehm wie schon die vorherige und gab mir mit superweichen Betten und einer warmen Dusche allen Luxus, den ich mir gewünscht hatte. Nun gut, bei der Dusche musste man etwas zurückstecken, da wegen ziemlich verkalktem Duschkopf nur noch aus wenigen Löchern Wasser floss, und die zwar wunderbar warme Dusche dadurch den Charakter eines Kärcher Hochdruckreinigers bekam. Aber bekanntlich habe ich mich ja hier schon an so einiges gewöhnt, da war eine Dusche wie diese schon gar nichts Besonderes mehr. Den Morgen im Khao Yai schlossen wir mit dem Füttern

Von domestizierten Elefanten ab, bei denen wir nicht Gefahr liefen jeden Moment überrannt zu werden. Für 20 Baht pro Person kauften wir jeder eine Staude Bananen und verfütterten diese dann an die grauen Riesen, die ihrerseits teilweise sogar mit Kunststücken für die Bananen dankten. Faszinierend war es allemal wie sie ihre langen grauen, borstigen Rüssel ausstreckten und man ihnen tief in ihre verhältmäßig kleinen Augen sehen konnte. Wir verweilten noch eine ganze Zeit hier und schossen zahlreiche Bilder von den grauen Riesen, bevor wir unsere Reise nach Kambodscha antraten. Dazu gibt es dann das nächste mal mehr Informationen.


Den Rest dieses Posts möchte ich neben der Reisebeschreibung nun noch auf die Beschreibung der thailändischen Kultur und Erziehung verwenden, die mir in manchen Situationen ernsthaft mehr als nur fremd vorkam. Ich meine euch bereits von meinem Besuch in den Bergen erzählt zu haben, wo sich eine Hand voll Mönche mit freiwilligen Helfern unter einem großen Blechdach trifft und sie gemeinsam dort die Amulette herstellen, die sich bevorzugt die männlichen Thais um den Hals hängen. Da jedes dieser Amulette aber nur von einem Mönch kommt, jeder Mönch für eine bestimmte Fähigkeit bekannt ist, reicht da natürlich eines nicht aus, da müssen mehrere her. Das eine Amulett verhindert das eindringen von Kugeln in den Körper, das andere bringt alle Frauen der Welt dazu den Kerl zu lieben der es trägt und wieder ein anderes ist gegen Blähungen. So summiert sich der Ganzkörperschutz auf etwas mehr als nur ein Amulett, das alleine manchmal schon 10 bis 15cm Durchmesser hat. Dazu kommen dann noch abgeschnittene Tigerhaare in Plastikhülsen oder Schriftrollen, die ebenfalls an einer Kette Platz finden müssen.
Soweit ist das ja alles noch ganz in Ordnung. Was aber bei meiner letzten Beschreibung fehlte war die Beschreibung der Herstellung. Und zwar bestehen diese Amulette aus einer Art getrockneten und gepressten Sandsteinsubstanz, hat aber auch noch diverse andere Inhaltsstoffe. So sah ich erst kürzlich wieder in einer dieser Fertigungsstätten die einzelnen Inhaltsstoffe dieser Amulette, zudem auch ein großer Haufen feinweißer Sand gehörte, der angeblich aus einem besonders heiligen Berg stammt. Meiner Meinung nach war es schlicht und ergreifend klein gemahlener Sandstein. In einer unbemerkten Situation schlich sich dabei ein Hund an den Haufen, hob sein Bein verscherrte sein Geschäft etwas und ging von dannen. Nun denke ich mir, dass wenn der Hund den Haufen schon als Toilette für kleine Königstiger benutzt, so wird er sicherlich nicht davor zurückschrecken auch anderes Exkrement dort zu vergraben. Nachsehen wollte ich jetzt nicht. De Facto wird diese Stein-Hundeexkrement-Mixtur anschließend mit etwas vermischt, dass für mich wie tagelang abgestandene Bohnensuppe aussah, die dem Geruch nach auch durchaus danach roch. Anschließend wird das ganze mit etwas mehligem (vermutlich Zementpulver) angedickt und von den Mönchen und Freiwilligen in Formen gepresst und anschließend getrocknet. Einige freiwillige Helfer fügen die getrockneten Amulette dann in acrylglasartiges Plastik ein und versehen sie mit einer schön kitschigen Plastikkette. Zuletzt kommt der oberste Mönch, dem meist sogar Zukunftsprophezeiungen nachgesagt werden, und segnet die Bohnensuppe im Plastikkästchen. Um sich mit einem dieser Amulette ausstatten zu dürfen und die Ehre zu erfahren frisch gepresste Bohnensupper mit Zement und Hundeurin um den Hals tragen zu dürfen, legen die Thais gut und gerne 1000 Baht ( ca. 20 Euro) hin, was oft ein Fünftel ihres Monatsgehalt ist. Und wer jetzt denkt, dass nur eine Minderheit auf den Hokus Pokus reinfällt, der liegt falsch. Innerhalb von zwei Tagen war, so Khom Khai, der gesamte Vorrat der Mönchsproduktion abgesetzt. Einfach unglaublich. Für mich sind diese Amulette quasi die Äquivalenz zu den Ablassbriefen der römisch katholischen Kirche.
Ein anderes erst kürzlich beobachtetes Schauspiel bot sich mir im Lehrerzimmer beim Mittagessen. Nebenbei möchte ich auch erwähnen, dass ich diese Absätze hier gerade nur schreiben kann, da mein Unterricht wieder Mal durch ein spontan einberufenes Meeting für den Rest des Tages ausfällt, nicht das jemand auf die Idee kommt es hätte sich was geändert. Im besagten Moment im Lehrerzimmer traten einige Mädchen der Klasse drei ein und petzten (im Plaudern und Petzen sind die Thais weltklasse), dass ein Junge Steine in ein Bienennest geworfen hatte, worauf die Bienen einen Schüler ziemlich zu Leibe gerückt waren. Die pädagogische Maßnahme Khom Khais bestand darin, sich den Schüler zeigen zu lassen und ihm dann mit einem Teppichmesser in der Hand drohte, dass er ihm als Strafe die Hand aufschneiden würde. Der kleine Junge, der vielleicht gerade mal 7 Jahre alt war, fing jämmerlich an zu weinen und zitterte am ganzen Körper. Trotzdem befahl Khom Khai ihm weiter seine Hand auf den Tisch zu legen und fuhr mit dem ausgefahrenen Teppichmesser eine Längslinie bis zum Oberarm, der die Schnittlinie signalisieren sollte. Der kleine Junge drückte die Hand auf den Tisch und hielt sich mit der anderen Hand die Augen zu, woran man deutlich erkannte, dass er nicht mit Spaß rechnete. Die Lehrer beim Mittagessen am hinteren Tisch grinsten was das Zeug hielt, und heizten Khom Khai damit nur noch weiter an. Dieser Riss dann Witze darüber, wie er denn mit nur einer funktionierenden Hand essen würde oder ob er ihm lieber das Ohr abschneiden sollte. Ich hielt mich aus der ganzen Sache raus, da ich es als fremde Kultur akzeptierte, innerlich aber mehr als geschockt war. Khom Khai hätte man in Deutschland sicherlich schon vor Jahren als Direktor abgesetzt. Und das nicht weil er sich lediglich um das Aussehen und nicht um die Lehrqualität seiner Schule kümmert, sondern vermutlich primär, weil er immer wieder einige Schülerinnen zu sich ins Büro ruft und sie dort betatscht und küsst als wären sie seine Töchter. In Deutschland hätte man ihm klar pädophile Neigungen nachgesagt, während das hier in Thailand wohl anders zu sein scheint. Einmischen möchte ich mich in diese Themen aber auf jeden Fall nicht, da ich nicht in dieser Kultur aufgewachsen bin und ich schließlich auch nur noch 7 Wochen da bin. Allerdings trugen all diese Sachen maßgeblich dazu bei, dass ich die Idee des Spendenkontos für die Schule wieder verworfen habe. Ich glaube, dass es wenig Sinn hätte in die Schule zu investieren, wenn ich nicht ein Leben lang hier bleiben würde. Thais können mit Geld einfach nicht umgehen und verwenden es zum Großteil auf völlig nutzlose Dinge.
Außerdem: Erinnert ihr euch noch an die Sparkassenwerbung in der ein ziemlich hektischer DJ mit verfilztem Haar an seinen Turntables gezeigt wurde, und dann die Einblendung „Würden sie ihm ihre Kreditkarte leihen?“ ins Bild kam? Nun die Frage an euch würdet Sie für ihn ein Spendenkonto einrichten?:

Das die Thais mit Geld nicht umgehen können zeigte zum Beispiel der Bau eines neuen Eisenträgers, an den die Motorräder der angestellten und Eltern angekettet werden können. Die Schüler fahren meist noch keine Roller oder Motorräder, und das nicht aus dem Grund weil sie es nicht dürften, sondern weil sie nicht ans Lenkrad kommen, wenn sie sitzen. Also wieder eine völlig unnötige Investition in einer Zeit, in der die Wannarat nicht mal ihre Lehrer bezahlen kann, da die staatlichen Subventionen seit 2 Monaten ausgeblieben sind und sich Khom Khai durch die Autogeschichten finanziell auch nicht in der Lage sieht die Lehrer zu bezahlen. Da ist so ein Stahlträger natürlich genau das, was man in dieser Situation braucht. Nun, vielleicht muss man das auch alles gar nicht verstehen. Fakt ist, dass es unserer Kultur mehr als fremd und unverständlich ist. Aber es heißt noch lange nicht, dass es damit schlechter ist.
Den Teil, den ich hier selbst zum Chaos beitragen kann, übe ich nach wie vor in gewohnter Form aus, mit dem einzigen Unterschied, dass ich meinen Tagesrhythmus so umgestellt habe, dass Khom Khai mich morgens um 6 nicht mehr wecken kann. Einfaches Gegenmittel: Früher aufstehen als er. So gehe ich im Moment um 21 Uhr schlafen und stehe um fünf vor 6 auf. Wie es aber der Teufel will, und ich könnte bald schon an eine Verschwörung gegen mich glauben, betrat Wor Ranat das Bad wie gewohnt um vier Uhr, Khom Khai allerdings schon um kurz nach fünf, worauf ich selbst mit meinem Ausnahmeplan nicht vorbereitet war. Von 5:30 bis 8:00 Uhr lief dann die Glotze auf voller Lautstärke, während meine Gasteltern laute Gespräche führten. Aber ich hätte nur eine halbe Stunde meines geplanten Schlafs verloren, wenn mich nicht mein Freund Martin noch um kurz vor elf angerufen hätte. Gewöhnlich bereite ich dann ab 6:30 den Unterricht für den vor mir liegenden Tag vor, was meist bis 8:30 dauert. In einer meiner letzten Unterrichtsstunden in Klasse 3 beschäftigten wir uns mit Fragesätzen wie „May I go outside“ und „May I sharpen my pencil“. Soweit klappte alles ganz gut und ich meinte, dass es der Großteil verstanden hatte. Etwa zehn Minuten vor Ende der Lehrstunde trat ein etwa halb so großer Junge mit dunklen zugekniffenen Augen an mich heran und fragte mich mit stolzer Brust: „May I go in the toilet?“ , was mich mal wieder zweifellos erkennen ließ, dass auch ich meinen Lehrauftrag ganz im Sinne des thailändischen Schulsystems vollständig verfehlt hatte. Dennoch war ich von der Frage derart amüsiert, dass ich ihm auf deutsch „na wenns dir Spaß macht, an mir solls nicht liegen“ antwortete, was er zögernd als „Yes, you may“ verstand und sich in eine Toilettenkabine verzog. Ob er dort tatsächlich in eins der thailändischen Plumpsklos gekrochen ist, habe ich leider nie erfahren. Als er wieder kam sah er jedenfalls noch genauso sauber und trocken aus wie zuvor.
P.S.:
Fuer die Bilderfreaks gibt es jetzt alle Bilder zum Post in der aufloesung 1024x768 im gesonderten Album meiner Picasa Webalben. Hier der direktlink:
http://picasaweb.google.com/philipp.stephan/MayIGoInTheToilet
Wenn man auf die einzelnen Bilder klickt wird man aber auch direkt ins Album geleitet.