Donnerstag, 27. Dezember 2007

Luxus und ein schwerer Abschied

Nachdem ich meine geliebte Ehefrau vorerst mit steinharten Betten, kalten Duschen und stundenlangen Taxifahrten ohne Stoßdämpfer auf Schotterpisten mit Schlaglöchern quer durch Kambodscha auf ihre Belastbarkeit getestet hatte, war es nun Zeit dafür sich ein bisschen Luxus zu gönnen. Die zuvor geschilderten Situationen haben sie ja nun bestens auf ein gemeinsames Leben mit mir vorbereitet ;). Es sollte unser letzter Abend werden und irgendwie war es schon ein bisschen merkwürdig. Wir hatten jede zweisame Minute gemeinsam genossen und voll ausgekostet, aber doch war uns die Zeit wie durch die Finger geronnen. Wir setzten also alles daran unseren letzten Tag und die letzte gemeinsame Nacht ebenso auszukosten wie wir es auch schon zuvor getan hatten. Mit dem Bus ging es dann zurueck nach Bangkok. Die erste Hälfte der Busfahrt war ein bisschen wärmer, da die letzten beiden freien Plätze auf der Rückbank waren und bei den großen Bussen der Motor hinten sitzt. Die Isolation oder das Kühlsystem ist leider so konzipiert, dass es im hinteren Teil der thailändischen Busse etwas wärmer wird. Andrea hatte immer noch mit Margen-Darminfekt und Blasenentzündung zutun, aber irgendwie brachten wir die dreieinhalb Stunden Busfahrt auch hinter uns. Was lernen wir daraus? Erstens immer Kohletabletten dabei haben wenn man in einheimischen Kneipen ist und zweitens im thailändischen Bus nicht hinten sitzen. In Bangkok nahmen wir uns ein Taxi zum Hotel, wo wir auch gleich in aller Feierlichkeit und mit weißen Handschuhen begrüßt wurden. Dass Banyan Tree weltweit mit die besten Hotels führt und für seine außerordentliche Qualitaet bekannt ist, war mir zugetragen worden, aber selbst als Gast in der Lobby zu stehen, war dann doch nochmal etwas anderes.



Als Unterkunft sollte uns für diese Nacht kein normales Zimmer sondern eine Deluxe View Suite im 47. Stock dienen. Wenn schon denn schon, dachte ich mir als ich das Hotel gebucht hatte. Die Luggageboys nahmen unser Gepäck und gratulierten gleichzeitig zur Vermählung. Ja richtig, da erinnerte auch ich mich wieder. Ebenso wie im Lotus Angkor hatte ich uns als Honeymoonpaar eintragen lassen und hatte das Hotel gebeten einige Vorkehrungen zu treffen. Nun was man nicht alles für seine Herzensdame tut. Schon die Lobby wartete mit stilistischen Designelementen auf und dem sich darin befindenden Gast boten sich Harven, Flöten oder Klavierklänge. Erst dachte ich an eine wohl sehr hochwertige Hifi-Anlage, weniger hatte ich echte Musiker an echten Instrumenten erwartet, die zu jeder Tageszeit in der Lobby ihre Kunst ausübten. Visuell wurde der Ersteindruck durch eine riesige Glaswand hinter der sich ein Wasserfall auf einen botanischen Garten ergoss vollendet. Auch unsere Suite entpuppte sich als geräumiges Ensemble aus Schlafzimmer, Arbeits- und Wohnzimmerabteil.



Ein Bett mit Rosenblättern und Rosenstrauß, so wie eine kleine Honeymoonaufmerksamkeit in Form von Früchten, einem Kuchen sowie einer Flasche Wein rundeten auch hier das positive Gefühl ab. Genauso hatte ich es mir vorgestellt und war daher mehr als zufrieden. Das Öffnen der Minibar und einiger Schubladen brachten weitere Gimmicks zum Vorschein. Auch im noblen Banyan Tree fand man die typische thailändische Anordnung der Elemente: Gin, Wodka, Whisky, Whisky, Kondome und ein Betthupferl.



Nachdem wir ausgepackt hatten, so viel war es ja für eine Nacht nicht, und einige Male die Toilette auf ihre Tauglichkeit hin überprüft hatten, trafen wir die Vorkehrungen für den Abend. Meine Planung beinhaltete nämlich ein Dinner auf dem Dach des 61 stöckigen Wolkenkratzers. Das Restaurant mit Namen Vertigo, steht für eine außergewöhnliche Atmosphäre und bestes Essen. Zuvor ging es allerdings in eines der größten Shoppingcenter Thailands. Siam Paragorn heißt das Gebäude und bietet auf 9 Etagen und einer unvorstellbaren Größe alles vom Designertäschchen bis zum Discountershirt. Es war so groß, dass an jedem zentralen Punkt, und davon gab es einige, eine Lagekarte mit Standpunktzeichen zu finden war. Letztlich schafften wir es dann aber doch noch in angemessener Zeit ein passendes Kleid für meine Liebste zu finden.



Natürlich hatte auch ich nicht vor gerade in einer alten Jeans aufs Dach zu steigen, sondern mich auch etwas rauszuputzen. Mein neues Hemd aus dem Outlet sollte mir dabei helfen. Leider nur hatte die Reise das Leinenhemd gepaart mit meiner etwas unprofessionellen Zusammenfalttechnik geringfügig in Mitleidenschaft gezogen, so dass mir nichts anderes übrig blieb als selbst den Mann zu stehen und das Bügeleisen in die Hand zu nehmen. Ich habe lange überlegt ob es nicht zu gefährlich ist obiges Bild in den Blog zu setzen. Möglicherweise könnte meine Tarnung als bügelunfähiger Sohn im Elternhaus auffliegen und ich würde meine zukünftigen Wochenende nicht mehr mit Freunden sondern beim Bügeln im Keller verbringen. Zu Liebe meiner Blogleser konnte ich euch dieses einmalige Foto allerdings nicht vorenthalten.



So wie es der Zufall wollte, wurde das Vertigo, das über kein Dach verfügt, an diesem Abend allerdings temporär zu der Zeit als wir dort erschienen, wegen einsetzendem Regen geschlossen. So nahmen wir mit einem darunter gelegenen chinesischen Spezialitätenrestaurant vorlieb. Die Vorspeise grandios, der Hauptgang allerdings war weniger umwerfend, zumindest was mein Essen anging. Aber man kann ja schließlich nicht alles haben. Mit einer so strahlend hübschen Frau am Tisch in einem der besten Hotels Thailands zu dinieren…da kann man auf den Hunger auch mal verzichten. Später wurde dann sogar das Vertigo mit der Moonbar geöffnet, was uns noch einen kleinen Absacker in Form eines Cocktails bescheren sollte.



Von hier konnte man über Bangkok und den Chao Praya River sehen, der ja auch durch Chainat fließt. Ein wahnsinns Ausblick über die südostasiatische Metropole, die zur Nachzeit in allen Farben und Facetten funkelte. One night in Bangkok, von hier oben aber sah alles aus wie Spielzeug und nur ein laues Lüftchen sauste einem um die Ohren. 61 Stockwerke unter uns brauste das Leben der Millionenstadt, während man hier oben nichts von alledem mitbekam und einfach nur den Ausblick genoss.



Nachdem wir uns auf unser Zimmer zurückgezogen hatten und noch eine Weile den Ausblick aus unserem überdimesionalen Panoramafenster bestaunt hatten, hofften wir auf gesundheitliche Besserung für den nächsten Tag, die leider nicht wirklich eintrat. So blieb uns der Pool des Hotels und die Sehenswürdigkeiten Bangkoks leider auf Grund von Durchfall und Blasenentzündung verborgen, bietet Allerdings Anlass dies ein andermal nachzuholen. Der Abschied am Flughafen war schon hart, obwohl man wusste, dass man sich in 3 Monaten wieder sehen würde. Heute drei Tage vor Abflug, kann ich über diesen Moment schmunzeln, damals wurden die Augen wässrig. Die folgende Nacht blieb ich alleine in Bangkok zurück und übernachtete in einen Guesthouse ein dreizehntel des Banyan Trees kostete, daher aber auch nur mit dem nötigsten aufwartete. Hier in der Nähe des Guesthouse reihten sich die berühmt berüchtigten Bars aneinander wie die Strandkörbe auf Phuket. Voll mit alten, besoffenen Engländern die sich hier ihren Mut antranken um dann mit einer der vielen Thailadies die sich hier auf den Straßen rumtrieben in einem Zimmer zu verschwinden. Neben sozial verträglichen Backpackern, besoffenen Engländern und aufreizend gekleideten Prostituierten verschwand ich zielstrebig in mein Zimmer und schloss die Augen bevor es am nächsten Tag zurück nach Chainat ging.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Das Landleben

Am Tag nach unserem abschließenden Abendessen ging es dann gegen 10 Uhr morgens wieder in die „Heimat“ nach Thailand. Über diverse Kontakte unseres Tourguides bekamen wir auch ein Taxi, dass uns zu einem durchaus angemessenen Preis nach Poipet an den Grenzübergang zurückfuhr. Es waren definitiv wunderbare Tage in Angkor gewesen und selbstverständlich waren all die Bauten auch tierisch beeindruckt, aber nach 2 Tagen Tempelbesichtigung war es dann auch wirklich genug, da es im Grunde immer noch einfach nur Steine sind, wenn auch sehr geschichtsträchtige Steine. Jedenfalls machten wir die Erfahrung, dass 2 Tage ideal sind um sich einiges anzusehen und dem ganzen doch nicht überdrüssig zu werden. Vermutlich kalkulieren die Pächter der Tempel genauso und haben deswegen nur Ein- und Dreitagestickets zum Verkauf. Ob ein einzelner Tag ausreicht… darueber lässt sich streiten. Vermutlich schon, aber der Stress durch die Tempelanlagen zu hetzen, wenn man wenigstens zwei oder drei sehen möchte, ist vorprogrammiert. Abschließend die Empfehlung an alle sich diese Stätte auf keinen Fall entgehen zu lassen, aber nicht mehr Zeit als etwa 2 volle Tage zu veranschlagen. Die gleiche Schotterpiste ging es in einem ähnlich zugerichteten schwarzen Taxi, wie wir es bereits auf der Hinfahrt kennengelernt hatten, wieder zurück. Zwischendurch fiel noch die Klimaanlage aus, was physisch trotz geöffneter Fenster durch die der Staub der Piste herein blies, in einem großen Schweißausbruch resultierte. Nachdem sich die beiden Khmer (Kambodschaner) am Motor zu schaffen gemacht hatten und wir die Zeit für eine Pinkelpause genutzt hatten, war aber alles wieder in Ordnung. In den fernen Ländern gibt es eben doch noch eine ganze Menge Leute die so ziemlich alles reparieren können ,was ihnen in die Hände fällt. Der deutsche Verbraucher hingegen hängt beim kleinsten Fehler seiner Espressomaschine oder Staubsaugers in der Warteschleife von Bosch oder Miele und erkundigt sich nach dem nächsten Servicepoint. Die Not macht eben erfinderisch und fördert die Eigenständigkeit. Der Grenzübertritt nach 4 Stunden war kein Problem und ich hatte damit auch gleich meinen letzten Visarun hinter mir. Als Unterkunft diente uns das in Sa Kaeo angesiedelte River Resort, seines Zeichens bestes Resort in der Stadt, was für 700 Baht (14€) pro Nacht zu haben ist und mit Klimaanlage, warmer Dusche, getrenntes Bad, TV, Telefon und Minibar aufwartet. Für den nächsten Tag entschieden wir uns anstatt der kürzeren Route wieder über den Isan nach Chainat zu fahren und nochmals die wunderschönen Landschaften zu bestaunen. Zwischendurch legten wir eine Essenspause in einer der zahlreichen Garküchen bzw. Frittierständen ein, von denen es in Thailand nur so wimmelt.



Fast vor jedem Familienhaus gibt es einen solchen Stand wo man allerlei frischer und leckerer Gerichte bekommt. Wer allerdings dem Thai nicht mächtig ist wird sich schwer tun das Richtige zu bestellen und verkennt womöglich auch die Vielfalt, die in den kleinen Ständen steckt. Für etwa 20-30 Baht (ca. 50 cent) ist hier ein leckeres Mittagessen zu bekommen. Wie schon bei der Hinfahrt angemerkt, zeigen sich links und rechts der zentralen Straße immer wieder mächtige Bauten und wunderschöne Hotels. Darunter auch das Chateau de Rattana, das mit einigen Marmorpferden auf sich aufmerksam macht. Wer schon immer Mal in einer Yacht hausen wollte, aber irgendwie Angst vor dem Meer hat, der findet hier genau das richtige.



Hier kann man in kleinen Höhlen wie bei Fred Feuerstein einen Café schlürfen und danach in die Yacht zum Nächtigen gehen, die fest verankert auf einem Gebirgshügel steht. Da gibt es auch garantiert keine Seekrankheit. Schon tierisch auf was man alles kommen kann.



Der Rest unserer Reise nach Chainat verlief problemlos. So, dass wir abends wieder im Resort eintrafen um eine weitere Nacht auf den betonharten Matratzen zu verbringen. Wieder nahezu schlaflos. In Chainat hieß es dann erstmal Kleider waschen und die Mitbringsel aus der Heimat genießen, die sich in Schwarzbrot, Leberwurst und Dosenbratwurst manifestierten. Meine Güte was ein Schmaus. Ich hätte nie gedacht, dass ich die pfälzischen Spezialitäten eines Tages so vermissen könnte.



Kurz darauf gabs dann auch für die Angestellten einen großen Teller Leberwurstbrote, der allerdings geschmacklich eher auf breite Ablehnung stieß. Einige würgten die Brote sichtlich angewidert herunter und andere rührten sie nach kurzer Geruchsprobe gar nicht erst an. So blieb auf jeden Fall mehr für mich übrig. Ist irgendwie schon komisch, dass der Mensch stets nachdem verlangt was er in seiner Situation nicht hat. Sobald ich wieder in Deutschland bin werde ich sicherlich nicht mehr so nach Leberwurst geifern. Nachmittags machten wir uns auf nach Uthai Thani wo wir den großen glitzernden Tempel besichtigten und ein paar Fische fütterten, die wie schon gewohnt in rauen Mengen vorhanden waren und auf ihre Mahlzeit warteten.



Sowieso taten wir auf unserer Reise unglaublich viel für unser gemeinsames Glück. Wir fütterten Fische, opferten im Angkor Wat, kauften Glücksbringerblumengeflechte, warfen großen Buddhas Münzen in den Bauchnabel und schlugen Glocken. Theu theu theu, wenn jetzt noch was schief geht, weiß ich auch nicht.



Und so ging auch dieser Tag zu Ende, ließ das Ende unserer gemeinsamen Zeit in Thailand wieder um einen Tag näher rücken. Eigentlich hatten wir auch geplant ein bisschen durch die Klassen zu gehen und die Schüler zu beobachten ,was uns aber nicht wirklich gegönnt war, da gerade wieder Tests, die ohnehin keine Auswirkungen haben, geschrieben wurde. Natürlich wurde ich darüber nicht informiert. Aber auch wenn Andrea nicht da gewesen wäre, hätte ich es erst erfahren wenn ich morgens im Lehrerzimmer gestanden hätte. Wenn nicht sogar erst in der Klasse selbst. Anstatt, dass ich mich nun also in die Klasse stellte und Unterricht gab, nutzten wir unsere Zeit indem wir den Tag langsam angehen ließen und ersteinmal unsere Wäsche abhängten und andere Kleinigkeiten erledigten. Auch fand ich die fast schon vergessenen Elemente des ländlichen Lebens wieder, die sich Stechmücken und Ameiseninvasion sowie erdrückender Hitze manifestieren.



Aber natürlich hat die Menschheit auch hier die ein oder andere chemische Waffe mit in die Schlacht bekommen. Tod den Ameisen. Leider ist der Kampf so sinnlos wie ineffektiv. Natürlich ließ ich es mir auch nicht nehmen Andrea das zweihundert Einwohner Dorf Dakhanon zu zeigen, wo ich bei der Gelegenheit auch gleich zum Friseur ging. Mein Friseur ist mitunter einer der originellsten und archaistischen Thais die ich kenne. Sein Dialekt und seine Bildung sind dermaßen bescheiden, dass ich wenn ich mal ein Wort verstehe, es sich immer nur um Frauen oder Essen handelt. Ich kenne noch nicht mal seinen Namen, aber ich weiß, dass er billig ist. 25 Baht für einen Haarschnitt, was etwa 50 Cent entspricht. Das ist schon wirklich Wahnsinn. Und bisher habe ich auch noch keinen Friseur gesehen, der so nette Poster an der Wand hängen hat.



Mit frisch geschorenem Haupte ging es dann weiter nach Suphanburi, wo wir ein Meeresmuseum besuchten. Ich dachte mir wenn uns unsere Reiseroute schon das Meer verweigert, dann wollen wir wenigstens ein paar Fische in Glasbehältern sehen. Zudem wurde uns das Museum sehr von Kung, der Sekretärin der Wannarat, empfohlen. Nach etwa 45 Minuten waren wir auch schon dort, nachdem ich mich an einigen Stellen durchgefragt hatte. In einem Hause, wo ich nach dem rechten Weg fragte, erblickte ich beim Betreten des Grundstücks neben zahlreichen Hunden auch ein original Wildschwein, dass hier als Haustier gehalten wurde. Ein riesiger Eber, der einem Menschen durchaus hätte gefährlich werden können, hauste und fraß hier mit den Hunden. Leider verpasste ich die Gelegenheit ein Foto zu machen. Das Museum mit Namen Büng Chawang offenbarte sich als durchaus ansehnlich und wartete mit einer Vielzahl an aquatischen Lebensformen auf.



In kleineren Aquarium schien es als wollte man uns ein Begrüßungsständchen singen, während im Big Tank die wirklich großen Brocken zu sehen waren. Die meisten Fische sind allerdings Catfish-Derivate und differieren nur in Ausprägung der Merkmale und ihrer Größe. Ansonsten gab es noch kleinere Riffhaie, ein paar Kugel- und Kofferfische und jede Menge Wimpel sowie Doktorfische, die ihre Zuschauer mit der bekannten Farbintensität faszinierten.



Die Struktur des Bigtanks ermöglichte es sogar durch einen Tunnel zu gehen, so dass die Fische über und neben einem zu sehen waren. Als Tauchlehrer und Red Sea Discoverer kann man jetzt nicht wirklich von einer neuen überwältigenden Erfahrung sprechen, aber zumindest erinnerte es mich ein Stück weit an die Tauchgänge im roten Meer die gefühlsmäßig Jahrzehnte zurückliegen. Der Außenbereich des Büng Chawang bietet außerdem noch einen großflächigen Zoo, eine Menge Fressbuden und ein Alligatorengehege, in die all die Krokodile geschmissen werden, die tagtäglich in den Kanälen rund um den Chao Phraya gefangen werden. Folglich ist das Gehege restlos überfüllt.



So still wie die Krokodile dort liegen, erkannten wir erst bei genauerem Hinsehen, dass es sich um echte Krokodile handelt und nicht um Plastikfiguren. Da es meine geliebte Gattin immer mehr mit dem Problem einer Blasenentzündung zu tun bekam, entschieden wir uns den Zoo nicht mehr in Betracht zu nehmen, sondern direkt den Heimweg anzutreten. Das Abendessen nahmen wir in einem an sich sehr reizenden Restaurant in Thammamun ein, von wo man einen grandiosen Blick auf den Chao Phraya River hat. Der Haken an diesem Abend: wir kamen so spät, dass wir vom wunderschönen Ausblick leider gar nichts mehr sahen außer die Speisekarte.



Die Speisekarte aber bot auch nicht wirklich, was sie versprach. Das gemischte Gemüse für meine vegetarische Begleitung war immerhin fürs erste noch sehr bekömmlich, während mein frittiertes Hühnchen mehr aus gesplitterten Knochen und in der Tat Hühnerkrallen und anderer widerlicher Extremitäten bestand als aus Hühnerfleisch. Ich entschied kurz darauf dann auch für das Gemüse, ahnte allerdings nicht, dass uns das ländliche Essen mit seiner Hygiene Bauchschmerzen und Durchfall bescheren sollte. Natürlich kam das alles gerade rechtzeitig, da wir am nächsten Tag die Reise mit Bus nach Bangkok antraten. Wo wir die letzte gemeinsame Nacht zusammen verbringen würden. Für diesen speziellen Abend hatte ich mir ein ganz besonderes Hotel ausgesucht, dass dem Leben in Chainat für einen Tag und eine Nacht als exaktes Gegenbild diente. Mehr zur anderen Seite Thailands im nächsten Blog.

Montag, 10. Dezember 2007

Dschungeltempel

Wie angekündigt geht es mit den Blogeinträgen nun wieder zuegiger voran und wenn ich schon bei den positiven Nachrichten bin, will ich euch eine ganz zentrale auch nicht vorenthalten. Der Blog bleibt weiterhin bestehen, es wird weiterhin Einträge geben und ich bleibe auch für den Rest meines Aufenthalts an der Wannarat. Speziell der Kommentar von Dave hat mich direkt wieder an den Laptop zurückbefordert und mich dazu gebracht einen neuen Blogeintrag mit noch atemberaubenderen Bildern zu verfassen. Die letzten Kommentare und diverse Anrufe haben mir doch mal wieder aufgezeigt wie viele Menschen diesen Blog doch tatsächlich lesen und täglich auf Nachschub warten. Dem will ich nun gerecht werden.
Nachdem wir den ersten wunderbaren Tag in Siem Raep vor einem glühenden Sonnenuntergang verabschiedet hatten und uns in unser Hotel zurückzogen sahen wir nochmals die Bilder auf der Kamera durch und waren vollends zufrieden. Für den kommenden Tag aber beschlossen wir etwas mehr für die kulturelle Bildung zu tun, da wir ja den ersten Tag ohne Guide zugebracht hatten. Einen Guide konnte man entweder direkt im Tourist Center für einen Tag mieten oder von der Hotelrezeption besorgen lassen. Da es schon spät war und wir an diesem Tag auch ziemlich fertig waren entschieden wir uns für die Rezeption. Für 25$ versprach man uns einen gut ausgebildeten, englisch sprechenden, offiziellen Guide, der uns den ganzen Tag begleiten würde. Die Nacht war so erholsam, dass wir uns nur mühsam und unter Zwang aus den Feder wälzen konnten und dennoch über eine halbe Stunde zu spät kamen. Aber der Guide wurde schließlich dafür bezahlt uns einen Tag lang zur Verfügung zu stehen. An jenem Tag sollte es nach ausgiebigem und leckerem Frühstück zuerst zum Frauentempel gehen, der uns von meinen liebenswerten Erzeugern empfohlen wurde. Der Tempel lag außerhalb der gewöhnlichen Tempelareale und kostete damit einen Aufpreis für den Tuktukfahrer. Als wir dort ankamen, zogen sich auch gleich die Wolken über uns zusammen.



Wir suchten uns ein Plätzchen in den umgebenden Souvenirshops und warteten bis die Menschenmassen auf der Flucht vor dem tropischen Regen dem Tempel auf der anderen Seite der Straße entflohen. Nachdem es nur noch etwas nieselte machten auch wir uns auf in den Tempel, in dem nun wesentlich weniger Besucher aufzufinden waren als noch vor dem Regenguss. Unser Guide, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe, klärte uns über allerlei alte Sagen und Geschichten auf, die in feinstsäuberlicher Arbeit im Sandstein der Tempelbauten verewigt worden war. Er schien mir trotz gebrochenem Englisch wirklich Ahnung von der Materie zu haben, weshalb ich ihn nach dem grundsätzlichen Preismuster und seiner Entlohnung für den Job fragte. Schließlich war ich ja auch auf der Suche nach Vergleichen der Lohnstruktur zwischen Kambodscha und Thailand. Nun, nach seiner Aussage gibt es fähige Guides und weniger fähige Guides. Die guten kosten 25$, die schlechten 20$. Im ersten Moment freute ich mich, dass wir wohl von unserem Hotel zum fairen Preis ohne Abzüge einen Guide der besseren Klasse zur Verfügung bestellt kamen, bis mir dann in den Kopf schoss, dass es doch bestimmt Provision für das Hotel gibt. Auf die Frage wie teuer er denn auf dieser Skala sei, antwortete er mir trocken: „Mich haben sie für 18$ engagiert“. Daraufhin entrutschte mir ein deutsches „ah ja“ begleitet von einem etwas fragwürdigem Blick. Für uns reichte er auf jeden Fall völlig aus. Ohnehin waren wir mehr an der Schönheit der Bauten interessiert als an ihrer Geschichte. Wir betraten den Hauptteil des Frauentempels, der mit einer unvorstellbaren Vielzahl filigraner Figuren aufwartet. Jede Wand, jeder Abschnitt erzählt eine Geschichte, eine Sage, eine Legende von den Göttern und Geistern der Hindus. Sieht man genau hin



ist es kaum vorstellbar, dass diese dreidimensionalen Geschichtswände, Türbogen und Fenster von Hand gemeißelt wurden. Alle Arbeit, die hunderte wenn nicht tausende Arbeiter für ihre Götter vollbrachten geschah völlig ohne Lohn sondern aus reinem Glauben. Niemand sollte jemals in diesen Tempeln wohnen. Sie sind lediglich die Ferienhäuser für die verschiedenen Gottheiten, die über die Menschheit wachen. Manche Tempelteile haben zum Beispiel gar keine Türen, obwohl hinter den Wänden ein hohler, verzierter Raum liegt. Der Geist aber braucht keine Tür, sondern wohnt in allem und jedem. Lediglich für die Mönche wurde hin und wieder eine kleine Tür eingebaut, um die Opfergaben in den Tempel bringen zu können.



Mir führte das einmal mehr vor Augen welche Kraft die Religion doch hat und wie gefährlich es sein kann den religiösen Glauben der Menschheit zu missbrauchen. Eine Gefahr die speziell die westliche Welt in Zeiten des modernen Terrorismus immer mehr zu spüren bekommt. Wer sich die hiesigen Tempel jedoch anschaut und begreift wie sie entstanden und für wen sie gebaut wurden, derjenige begreift erst welches gewaltige Potential im Unwissen der Menschheit liegt. Schon nach wenigen Minuten, fanden wir uns schlapp und müde auf dem Tempelgelände wieder. Der Tempel war von atemberaubender Schönheit, aber auch die Sonne in Verbindung mit dem gerade erst niedergegangenen Regen beschwor eine Luftfeuchtigkeit herauf, die unsereiner im wörtlichen Sinne auch als atemberaubend empfand.



Der Frauentempel ist der filigranste Tempel ganz Angkors und damit auch absolut sehenswürdig. Menschen die an den alten Sagen der Hindus und anderen Religionen interessiert sind, hätten hier sicher Stunden zubringen müssen, um auch nur ein Bruchstück des gesamten Tempelaufbaus zu verstehen. Wir aber machten uns in unserem Tuktuk auf zur Mittagspause, wo wir wieder Mal in einer Tourihütte landeten, wo allerdings auch unser Fahrer und unser Guide eine Mahlzeit zu sich nahmen.



Ohnehin läuft hier alles über Provision und die Ausbeutung der Touris. Man könnte glatt die Lust verlieren noch weiter zu reisen, wenn man erkennt, dass man in jedem verdammten Land nur ausgebeutet wird. Allerdings gehören da immer noch zwei dazu, einer der ausbeutet und einer der sich ausbeuten lässt, und andererseits will man ja auch noch etwas sehen. Was in Kambodscha noch ganz erschwerend hinzukommt sind die Massen bettelnder Kinder, die allen möglichen Müll an den Mann bringen möchten. Grundsätzlich kostet alles einen Dollar, egal ob Postkarte oder Cola, und wird von mindestens 10 Kindern gleichzeitig angepriesen. Die Masche ist ganz klar strukturiert und überall gleich.



Sobald das geschützte Tuktuk verlässt kommen bereits Heerscharen an Kindern angerannt, die sofort nach dem Herkunftsland fragen und so versuchen eine Konversation zu starten. Kaum sagt man „germany“, anfangs war ich noch so nett und antwortete, später wurde mir dann klar, dass man die Racker am besten ignoriert, kommt einem die Antwort „jöramany – urop – kapital bölin“ entgegengeschossen. Danach startet das Verkaufsgespräch in dem immer wieder darauf verwiesen wird, dass man doch die Hauptstadt von Deutschland wusste. Das nächste mal sage ich einfach, dass ich aus Simbabwe komme. Wenn mir dann noch ein Kind die Hauptstadt nennen kann, würde ich sogar ne Cola kaufen. Der nächste Tempel den wir anfuhren war der bei weitem beeindruckendste den ich je in meinem Leben gesehen habe. Er war um ein vielfaches größer und schien durch diverse Einstürze auch um einiges älter zu sein als die zuvor besichtigten Bauten. Im Grunde waren es nur noch Ruinen, aber sie waren faszinierend. Genau betrachtet waren es aber die Steine die dem Tempel seinen Ausdruck verliehen, sondern vielmehr die Bäume, die sich wie riesige Schlangen über die Dächer des Tempels wanden. Wohlgemerkt war der Tempel zuerst da, und die Bäume wuchsen auf den vermoosten Dächern. Schon der Eingang schien skurril und gab eine Vorschau auf das was uns im Inneren erwarten sollte.



Ein echter Dschungeltempel, der auch für die Dreharbeiten zum Tombraiderfilm genutzt wurde. Einige markante Stellen fielen mir sogar wieder ein, sobald ich sie in Realität sah. Jedoch kann kein Kino der Welt darstellen was man fühlt, wenn man selbst inmitten der riesigen Ruinen steht. Links und rechts waren große Teile des Tempels zusammengestürzt und anderswo schienen die Ruinen den riesigen Bäumen immer noch standzuhalten. Man kam sich ein bisschen vor wie Alice im Wunderland, wenn man vor den Urwaldriesen stand und sich eingestehen musste wie klein und schwach ein Mensch doch ist im Angesicht dieser Naturgewalt.



Immer weiter und tiefer drangen wir in den Tempel vor, der mit einer Vielzahl an Gängen und Räumen aufwartete, die immer wieder durch herunter gebrochene Deckenteile Sicht auf den Himmel und die Bäume erlaubte. Alles war so mystisch, unwirklich und gleichzeitig abenteuerlich berauschend. Das Gelände des Tempels war trotz wenig Besucher, da gerade Mittagszeit, kaum zu überblicken. Je länger man sich seinen Weg durch die Ruinen bahnte, desto weniger glaubte man an ein Ende bzw. an einen Ausgang.



Gerade wenn man wieder einen Riesenbaum als das neue Topfotomotiv entdeckt hatte, erblickte man schon wenige Meter weiter einen anderen, der noch imposanter und skurriler anmutete als der vorherige. Eine Attraktion jagte die nächste. Wer den Film Tomb Raider gesehen hat, erinnert sich vielleicht auch noch an diesen einen sehr außergewöhnlichen Baum, der eigentlich gar kein Baum im Singular ist. Eigentlich sind es zwei, nur dass einer der Bäume bereits tot ist und der lebendige Baum darüber wächst. Man könnte sogar sagen, dass der lebendige Baum den darunter liegenden erdrückt und erstickt hat. Grausamkeiten der Natur, die sich über Jahrhunderte hinziehen und dem Betrachter ein ungekanntes Momentbild liefern.



Hand in Hand erklommen meine Gattin und ich die Ruinentürme und gingen langsam aber sicher dem Ausgang entgegen. Alle Bilder die ich hier in den Blog gestellt habe, sind trotz sorgfältiger Auswahl immer noch nicht mehr als ein kleiner Einblick in diese unwirkliche Welt. Alle Bilder zusammen genommen existieren etwa 100 Bilder von diesem Tempel. Wer also Lust hat sich weitere phänomenale Kunst der Natur anzusehen ist herzlich eingeladen am Bilderabend Teil zu nehmen. Termin werde ich im nächsten Blogeintrag veröffentlichen. Mit überwältigenden Eindrücken und dem Bedarf all das was wir gesehen hatten erstmal verarbeiten zu müssen verließen wir den Tempel und nahmen Erinnerungen mit, die wir unser Leben lang nicht mehr vergessen werden.



Nachdem wir unseren gewohnten Mittagsschlaf hinter uns gebracht hatten, man muss bedenken, dass wir ja nun auch nicht mehr die jüngsten sind, und zuvor noch einen eher unwichtigen kleinen Tempel besichtigt hatten, fühlten wir uns wieder fit um das letzte Abendessen in Kambodscha zu genießen. Dieses nahmen wir in einem stilvollen französischem Restaurant ein, das zwar ebenso kurz darauf von einer Bus-Touri-Gruppe französischer Proletarier eingenommen wurde, die tröstlicher Weise aber in einen Nebenraum eingesperrt wurde. So konnten wir unseren letzten gemeinsamen Abend in Kambodscha dann doch noch in vollen Zügen genießen. In jenen Augenblicken, in denen ich die schöne, erlebnisreiche Zeit in Kambodscha nochmals Revue passieren ließ und dabei in die strahlenden Augen meiner Gattin sah, erfüllte es mich mit tiefer Dankbarkeit und Demut vor dem eigenen Leben diese Zeit und diesen Raum mit meiner Andrea teilen zu dürfen. Wie vielen Menschen auf dieser Welt ist es schon gegönnt mit zwanzig Jahren bereits das gesehen und gefühlt zu haben, wie es uns gegönnt ist.



Ich denke wir alle sollten uns einmal bewusst werden welche Vorteile wir gegenüber anderen Menschen auf der Welt haben, von denen die meisten nicht mal wissen, dass sie existieren.

In diesem Sinne bis zum nächsten Blogeintrag.
Euer Phil

P.S.:
Meine Rückreisedaten stehen denn nun auch fest. Abflug in Bangkok mit der TG 920 (Thai Airways) am 28.Dezember um 23:10. Verspätungen etc. kann man im Internet nachschauen. Ankunft ist 5:30 morgens in Frankfurt, Terminal 1. Jeder der kommen möchte ist herzlich gerne eingeladen und natürlich freue ich mich über jeden Einzelnen, der zu dieser unchristlichen Zeit den Weg nach Frankfurt findet. Mitfahrgelegenheiten und Koordination überlasse ich euch selbst bzw. meinen Erzeugern. Im Auto meiner Eltern ist derzeit noch ein Platz zu vergeben. Alles Weitere könnt ihr ja auch untereinander über den Blog austauschen, indem ihr Kommentare schreibt und Mitfahrgelegenheiten angebt, sofern welche von Nöten sind.

Diashow: Wenn ihr das Bild anklickt einfach rechts dann auf Diashow klicken.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Siem Raep

Am nächsten Tag holte uns wie verabredet der Tuktuk Fahrer aus unserem Hotel ab und brachte uns an das Visitorcenter, wo wir fuer 40$ (stolzer Preis) ein 3 Tagesticket lösten. Mit diesem Pass konnte man sich alle Tempel in der Umgebung ansehen. Und in der Tat wurden bei jedem noch so kleinen Tempel zum Zeigen des Passes aufgefordert.



Der erste Tempel war derjenige, den man auf allen Postkarten zu sehen bekommt und der die größten Ausmaße hat. Er trägt den Namen Angkor Wat und entstand soweit ich mich da recht erinnere im 12. Jahrhundert. Damals war Angkor die Hauptstadt und wurde dementsprechend mit einer Vielzahl von Tempeln zugepflastert. Wie viele es tatsächlich sind habe ich vergessen. Glaube aber sogar über 50. Für Detailinformationen wird an den meisten Stellen Wolfram herhalten müssen =). Fakt ist, dass jeder Tempel einen riesigen und langen Steg hat, der zum Eingang hinführt. Auf dem Bild stehen wir auf dem Steg des Angkor Wat. Weitläufige Areale mit Grünflächen, gepaart mit kleineren Vortempeln geben eine interessante Landschaft und einige mystische Photomotive ab.



Im Inneren wurde es nicht weniger eindrucksvoll, sondern erst da zeigten sich die Gesamtheit der filigran gemeißelten Details in ganzem Umfang. Das tempelumgebnde Grundstück war so riesig, dass der Tempel an sich darin relativ wenig Platz einnahm, was ihn subjektiv kleiner erschienen ließ. Stand man aber im Inneren, erkannte man die wahren Ausmaße, die man sich selbst mit Hilfe der Fotos kaum vorstellen kann. Obwohl es im Grunde nichts weiter als altes bröckelig, vermoostes Gestein war, war doch gerade das Alter der Ruinen das faszinierende daran. Wir erklommen einige steile Treppenstufen und fanden uns auf einer höheren Ebene wieder, von wo man einen wunderschönen Blick über den Eingang und das ganze Grundstück hatte.



Und nicht zuletzt hatte man auch einen hervorragenden Blick auf die Ruinen, die unter uns lagen. Die Absperrungen der Restaurationsunternehmen auf Angkor Wat störten uns wenig, so dass wir uns einen gemütlichen Platz für die getraute Zweisamkeit suchten. An sich ist Angkor wegen seiner Sehenswürdigkeiten leider eine absolute Touristenmetropole, was auch die Massen in den Tempeln widerspiegeln. Und dabei waren wir unter der Woche und außerhalb der Ferienzeiten dort. Dennoch fanden wir eine Nische und genossen den Ausblick von einem der berühmtesten wenn nicht dem berühmtesten Tempel Südostasiens.



Noch viel mehr als die Ausmaße und die Gestalt der Tempel fasziniert das Detail. An nahezu jeder Säule und jeder Wand finden sich Geschichten von Göttern wie Hanuman, dem Affengott oder anderer Sagen, die selbst die einheimischen Khmer nicht mehr lesen können, da sie in Sanskrit geschrieben sind.



Ich habe gefragt wie lange die Menschen gebraucht haben um das alles zu bauen und derart zu verzieren. Die Antwort habe ich leider vergessen. Was ich mir aber gemerkt habe ist, dass der jeweilige Khmerkönig einer Epoche immer mehr haben wollte als der vorhergehende und dementsprechend einen größeren Tempel zu Ehren der Gottheiten errichten ließ. Je nachdem welche Religion gerade vorherrschte entstanden Hindutempel und Buddhistentempel. Der Angkor Wat als größter Tempel wurde demnach vom letzten König gebaut. Auch haben sich diverse Länder an der Restauration der verschiedenen Tempel beteiligt. Deutschland übernimmt dabei den Angkor Wat. Alle heruntergefallenen Steine sind markiert und können anhand von Computersimulationen und Fotos eindeutig zugeordnet werden. Allerdings bemüht man sich gar nicht alles wieder aufzubauen. Die Natur hat einen entscheidenen Beitrag zur mystischen Erscheinung der Gemäuer geleistet, den man nur ungern wieder entfernen würde.



Zum Abschluss ließen wir es uns natürlich nicht nehmen im großen Angkor Wat auch noch eine Opfergabe in Form von Räucherstäbchen zu hinterlassen. Nach einer kurzen Einweisung hatte ich meiner liebsten die grundlegenden Regeln für das Ritual erklärt, wie ich sie zuvor von Khom Khai gelernt und zuHause auf der Couch geübt hatte. Prompt nachdem wir die Prozedur abgeschlossen hatten, sprachen uns Thailänder aus Amerika an, woher wir das denn wüssten. Khom Khai scheint also in diesem Punkt mal keinen Mist erzählt zu haben, sondern gab uns durch die Vermittlung der richtigen Herangehensweise das Potential zum Glänzen.



Der nächste Tempel war der Bayon Tempel, der mit einer Vielzahl an Gesichtern aufwartet. Es ist das Gesicht des Königs, der damals auch gleichzeitig als Gott verehrt wurde. Quasi als lebender Gott. Jedes dieser ca. 250 (bitte lass mich nicht lügen, aber ca. ist ja dehnbar) Gesichter stellt also ein Porträt des Königs da. Imposant ist es allemal zwischen den Gemäuern hindurch zu schlendern und aus allen Seiten von riesigen Steingesichtern angeschaut zu werden. Sehr schön erkennt man auf diesen Bildern auch die Bauweise der Tempel. Diese riesigen Gebilde sind nicht weiter als aufeinander gesetzte Steine, die zuvor bearbeitet wurden. Da gibt es keinen Mörtel und kein Zement. Es sind nichts weiter als Steine. Zur damaligen Zeit eine Meisterleistung der Archtiektur, zudem sich in einigen Tempeln sogar Bögen oder Spitzbögen finden lassen, die an gothische Bauwerke erinnern.



Gleich nebenan liegt die Elefantenpagode, die man erstmal gar nicht als eine solche erkennt, da man sich unter dem Namen eigentlich etwas völlig anderes vorstellt. Zwar sind es Elefanten, aber wirklich hervorgehoben sind lediglich die Rüssel. Dahinter liegt der Vorgänger des Angkor Wat. Ein Tempel dessen Namen ich leider vergessen habe. Irgendwo dort in den Ruinen machte ein selbsternannter Guide auf sich aufmerksam, den wir in unserer Naivität auch noch annahmen. Aber was konnte man für 5$ schon verkehrt machen.



Ca. zwanzig Minuten erklärte er uns etwas über den angrenzenden Königstempel und diverse Poollagunen des Königs, in denen seine über 200 Konkubinen nach Belieben planschen konnten. Alles sehr abstrakte Geschichten, wie man es aus der Geschichte und den Legenden eben gewohnt ist. Mein rationales, an Fakten gewöhntes Hirn lief da irgendwo gegen eine Wand, die wohl dafür sorgte, dass ich nicht all zuviel davon behalten habe. Seis drum, auch dieser Tempel in Form einer kleineren Pyramide war irgendwie ansehnlich. Im Grundstück dieses Tempels, auf der Suche nach einer Toilette fanden wir allerdings andere Objekte, die meinen ästhetischen Sinn schon eher trafen als die intakten Gemäuer.



Nach einem relativ preiswerten Mittagessen in einem der Touriläden, in die man förmlich hineingequatscht wird, ging es dann mit dem Tuktuk erstmal zum entspannen zurück ins Hotel. Unser Tuktukfahrer erhielt 15 Dollar fuer einen Tag und stand uns damit rund um die Uhr zur Verfügung. Wir mussten nur sagen, wann er wo zu sein hatte. So sparten wir uns das abendliche Tuktuk zu den Restaurants und hatten auch sonst eine Flatrate zu den Tempeln.



Er war ein wirklich netter Kerl, unser Mr. Lay. Auch er freute sich riesig über jeden Tag, den er uns durch die Gegen kutschieren durfte, da solche Tagestouren eher selten vorkommen, und 15 Dollar schon eine Menge Geld für einen Kambodschaner sind. Nachdem wir im Hotel angekommen waren, lagen wir sofort wieder in den Federn, packten es allerdings gerade noch rechtzeitig wieder ins Tuktuk zu steigen und einen Geheimtipptempel anzufahren, wo wir evtl. sogar nur zu zweit den Sonnenuntergang bewundern könnten. Wir stimmten zu und fanden uns zwischen ca. 70 anderen Touris wieder, von denen sich jeder auf ein Steinchen des Tempels kauerte. Wir waren relativ früh dort und suchten uns eine exponierte Lage, so dass wir im kleinen Rahmen doch noch unseren Sonnenuntergang zu zweit hatten.



Es dauerte nicht lange bis auch die ersten Getränkeboys auf die Idee kamen ihre Getränke auf den Tempel zu tragen, und sie dort zum 50% teureren Preis zu verticken. Mit ein bisschen nachdrücklichem Verhandlungsgeschick genossen wir unser Getränk aber ohne Aufschlag und sahen einer goldroten Sonne entgegen, die sich langsam am Horizont verabschiedete. Erst sank sie ein bisschen ein, aber der Himmel war noch gelb, dann immer mehr bis der Horizont sich in einem wunderschönen rotorange färbte, und anschließend die rote Decke über dem goldenen Ball zusammenschlug. Ein faszinierendes Lichtspiel der Natur, dass uns im Zusammenspiel mit den Wolken Bilder ungeahnter Schönheit schenkte.



Auch wenn die Bilder aussehen wie gemalt, kann ich euch doch versichern, dass sie so zu sehen waren wie ich sie abgelichtet habe. Kein Photoshop, keine Ebenen, sondern das pure und reine Farbenspiel der Natur. Es war ein wunderbar, wärmendes Gefühl diesen einzigartigen Moment mit einer so vertrauten Frau an meiner Seite zu erleben. Ich bin mir sicher, dass ich jenen Abend in Kambodscha nie vergessen werde, und zeige euch gerne an einem Bilderabend auch alle anderen (ca. 40) Fotos dieses Sonnenuntergangs. Was haltet ihr denn überhaupt von der Idee eines Fotoabends? Vielleicht ein gemeinsames Abendessen in Form von Raclette oder anderem, gefolgt von ein paar Bildern für die Bilderfreaks, Fachkundige und andere interessierte?



Lasst mal hören was ihr davon haltet.
Wie es weiterging in Siem Raep und was der zweite Tag noch so zu bieten hatte, erfahrt ihr dann im nächsten Eintrag. Ihr seht, die Einträge werden wieder häufiger. Hoffe diese Besserung nun auch für den Rest meines Aufenthalts beibehalten zu können. Garantieren kann ich es allerdings nicht, da ich heute schon mit Tränen in den Augen im Lehrerzimmer stand und mit der inneren Verzweiflung gekämpft habe. Es macht mich in letzter Zeit einfach völlig fertig die kleinen Quälgeister zu unterrichten. Ich habe das Gefühl, dass sie nichts mitnehmen wollen und ich auch nicht in der Lage bin ihnen etwas mitgeben zu können. Mein Thai ist sicherlich nicht schlecht, aber es reicht nicht um den Entertainer für thailändische Schüler im Thaidialekt Chainat zu sprechen. Die Folge ist mangelndes Interesse auf beiden Seiten. Wenn ich morgens aufwache, wünsche ich mich schon an einen anderen Ort. Nirgendwo habe ich mich je so unverstanden und fremd gefühlt wie in den Klassenzimmern. Und irgendwann tut das einfach tierisch weh, weshalb ich mir schon überlegt habe nicht für die letzten 3 Wochen nach Chiang Rai oder Kanchanaburi zu gehen. Dort im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck zu liegen ist zwar sicher harte Arbeit und physische Belastung, macht mich allerdings sicher nicht so kaputt wie der psychische Stress hier. Khom Khai weiß von meinen Sorgen und rät mit jetzt einfach noch 2 Wochen durchzuhalten. Er bescheinigte mir ja schon mehrmals, dass er mehr als zufrieden mit mir sei. Ich selbst habe noch keine Entscheidung gefällt, würde aber stark annehmen, dass der Blog im Falle eines Umzugs auf der Strecke bleibt.

Herzliche Grüße
Phil

P.S.:
Als technisches Schmankerl gibts unter folgendem Link eine Diashow. Viel Spass:
http://picasaweb.google.com/philipp.stephan/SiemRaep/photo#s5140341257801639362

Sonntag, 2. Dezember 2007

Der Weg nach Kambodscha

Lieber Blogleser, zurecht kamen in der letzten Zeit immer wieder Beschwerden auf, dass meine Blogeintraege seltener und dafür aber umso länger sind. Speziell Toms Kommentar hat mir das nochmal verdeutlicht. Daran werden wir jetzt etwas ändern. Denn wenn ich eines hier gelernt habe, dann ist es die Art und Weise wie man mit Problemen oder Schikanen umgeht. Einfachster Ansatz, man sucht nach einer Lösung. Diese Lösung sieht so aus, dass es in Zukunft einfach wieder öfter, aber dafür kürzere Blogeintraege geben wird, die dann auch mittagspausengerecht gelesen werden können. Bilder gibt es dann natürlich auch immer noch, aber eben nicht mehr in der Hülle und Fülle wie man sie in einem größeren Eintrag findet. Viel ist passiert und viel zu wenig wurde von alledem niedergeschrieben, weshalb ich mein Hauptaugenmerk einmal mehr auf die Kernpunkte lenken werde.

Der letzte Anhaltspunkt aus dem letzten Blogeintrag findet sich bei den Elefanten, die Andrea und mit Freude fütterten. Nachdem auch dieser kleine Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden und gegen den scheinbar immerwährenden Hunger der grauen Riesen geleistet war, steuerten wir in unserem roten Toyota-Pickup die thailändische Grenzstadt Aranyaprathet an.
Unser weg führte uns über die Hochebenen des Khao Yai. Eine Landschaft, die sich in ihrer Ausprägung völlig vom ländlichen Thailand unterscheidet. Über einige Serpentinen fuhren wir langsam einem riesigen Plateau entgegen, während sich an den Straßenseiten riesige Felder voller stilvoll angelegter botanischer Gärten mit anderen kunstvollen Bepflanzungen abwechselten. Allein die Landschaft hier, die geographisch dem Isan zugeordnet wird, war ein echtes Erlebnis. Nach und nach erblickten wir riesige Villen



Die man dort sicherlich für einen relativen Spottpreis bauen oder fertig kaufen konnte. Die Landschaft war wunderschön, mitten in der Natur, aber daher auch völlig am Arsch der Welt. Zum Einkaufen trivialer Dinge des täglichen Bedarfs hat man hier mindestens eine Stunde Autofahrt vor sich. Auch hatte ich in weiser Voraussicht nochmals voll getankt, was sich im Nachhinein auch als sinnvoll erwies. Aber für uns, die ja nicht gleich hier in eine Villa einziehen wollten, war allein der Anblick fantastisch. Die Seenplattform auf der Hochebene des Khao Yai gab dem ganzen Ensemble aus stilvollen Häusern und umwerfend schönen Feldern das
i-Tüpfelchen.



In Aranyaprathet angekommen bahnten sich alte Erinnerungen den Weg in mein Bewusstsein. Ganz unbekannt war mir der Grenzübergang dort ja nicht, und nachdem Erlebnis mit Chris auch nicht mit allzu guten Erinnerungen verknüpft. Aber jedenfalls wussten wir ja jetzt auf was wir achten sollten und was man für diverse Leistungen zahlen darf. In Aranyaprathet suchten wir zuerst ein Einkaufscenter auf um uns der aufgenommenen Flüssigkeiten zu entledigen. Schon dort, das Einkaufszentrum lag etwa 800m vom Grenzübergang entfernt, belästigten uns die ersten Visaboys mit völlig überzogenen Preisen. Als sich dann nach kurzer Zeit noch alte Damen hinzugesellten, die verzweifelt versuchten Einkaufswägen voller Kleinzeug zu verkaufen, flüchteten wir. Am öffentlichen, bewachten Parkplatz von Aranvaprathet stellten wir unser Auto für 3 Tage ab und zahlten dafür noch einigermaßen humane 300 Baht (=6 euro). Natürlich überrannten uns auch hier gleich wieder die Visaboys in Scharen und versuchten den letzten Penny aus den reichen Farangs im Schrottauto zu pressen. Hier schien es egal zu sein welche Aufschrift auf dem Wagen steht. Ob UNESCO, WWF, Red Cross Association, Wannaratvittayaschule oder Al Quaida, sie hätten aus allen den letzten Cent herausgekitzelt. An sich arbeiten die Visaboys ja auch gut und bieten einen akzeptablen Service. Nur leider zu völlig inakzeptable Preisen. Dennoch bot mir ein Visaboy plötzlich ein durchaus akzeptables Angebot mit Visa und Taxi an. Warum ich darauf einging weiß ich heute noch immer nicht genau… Es hörte sich preislich gut an und man schien keinerlei Verluste zu machen. Wie gewohnt wollten die Boys mit unseren Pässen verschwinden, was ich aber nicht zuließ und darauf bestand mitzukommen. So fuhr ich mit einem der Visaboys zur kambodschanischen Botschaft in Aranyaprathet, während Andrea am Grenzübergang wartete. Obwohl ich den Ablauf kannte und ihr versicherte, dass nichts passieren würde, sah sie doch sehr erleichtert aus, als ich mit beiden Pässen und dem entsprechendem Visa zurückkam. Wir passierten die Grenze ohne weitere Zwischenfälle. Verlässt man die thailändischen Emigrationsgebäude findet man sich plötzlich in einem ca. 1km breiten Grenzstreifen wieder, der rechtlich weder zu Thailand noch zu Kambodscha gehört. Er liegt zwischen den thailändischen Emigrationsgebäuden und den kambodschanischen Immigrationsgebäuden und unterliegt damit weder dem einem noch dem anderen Rechtssystem. Diese staatenfreie Zone nutzten diverse Investoren aus, um hier Casinos und Stundenhotels wie Pilze aus dem Boden schießen zu lassen. Viele Thais, für die das Glückspiel neben Alkohol, Kreditüberzug und Untreue das größte Übel und gleichzeitig die größte Versuchung darstellt, finden hier endlich ein Plätzchen zum „gamblen“. In Thailand sind Casinos und das illegale Glückspiel verboten. An den Wochenenden pilgern daher Heerscharen nach Kambodscha um sich im Vorhof der Hölle, der den Namen Poipet trägt, zu vergnügen. Hier findet der Kleinkriminelle bis zum Mafiaboss all die Ware, die er für sein Geschäft benötigt. Ein Handelsplatz für Drogen, Glücksspiel, Waffen; überschattet von einem vergilbten UNESCO Poster mit der Aufschrift „against child exploitation“. Wir entschieden uns im Geleitschutz der Visaboys mehr oder weniger freiwillig für ein Taxi, das zweifellos auch von der Mafia kontrolliert wurde. Hätte ich mich nicht über die strecke und die typischen Taxis informiert, hätten mich vermutlich keine zehn Pferde in diese Karre gebracht. Aber da alle Merkmale stimmten, stiegen wir ein. Das äußere Erscheinungsbild des Taxis fiel im verschlammten Gesicht der Grenzstadt Poipet nicht auf, ließ aber unzweifelhaft erahnen, wie due vor uns liegende Strecke beschaffen war.



Schon in Poipet, einer größeren Stadt Kambodschas, waren die Straßen nicht gepflastert. Man fuhr quasi auf dem nackten Boden der Natur, der jedem Stoßdämpfer den Gnadenstoß versetzte. Es begrüßte uns unser Taxifahrer, der verhältnismäßig gut Englisch sprach und mit zwei unterschiedlich hoch angesiedelten Nasenlöchern etwas seltsam aus der Wäsche guckte. Aber schließlich musste weder Andrea noch ich den Mann heiraten, sondern verlangten lediglich in einem Stück nach Siem Raep zu gelangen. Wir fuhren zur Tankstelle, da der Tank nach der Strecke Siem Raep – Poipet fasst leer war. Das zumindest verriet die Tanknadel, die wir noch lernen sollten, aber auch nicht immer das letzte Wort hat. Wenig erstaunt findet man unter dem Namen Tankstelle keine moderne Tankstelle mit Zapfsaeulen wie wir sie kennen, sondern lediglich eine Ansammlung an Gasflaschen unter einem Vordach, das von oben bis unten mit Schlamm, Staub und Dreck übersäht ist.



Aber immerhin tanken sie kein Diesel oder Super, sondern Gas, weil sie sich das teure Benzin nicht leisten können. So wie sich die Benzinpreise in Deutschland Tag für Tag den Rang ablaufen, können wir das bald auch nicht mehr. Dennoch ist Kambodscha in diesem Teil als Entwicklungsland nach Bürgerkrieg den Deutschen Meilen voraus. Wenn die deutschen und speziell die Lobby der Automobilindustrie wollte, dass wir in Deutschland alle günstiger fahren können, könnten wir das sicherlich seit Jahren bereits realisiert haben.
Die folgenden Stunden in unserem Taxi waren schlichtweg ein Erlebnis, das sich etwas mehr als drei Stunden hinzog und unsere Bandscheiben heftig straperzierte. Grundsätzlich kann man natürlich auch mit Bangkok Airways für 200 Euro fliegen, zahlt aber somit das vierfache. Allen Herrschaften des mittleren Alters, womit ich die Altersgruppe 40+ meine, würde ich diese Art des Transports jedoch nicht mehr zumuten. Wer einmal in einem Taxi von Aranyaprathet nach Poipet gesessen hat, kann nur noch müde lächeln wenn DSF in einer Rallye Dakar Ausstrahlung mit dem Spruch: „mittendrin statt nur dabei“ wirbt. Mit über drei Stunden Fahrzeit wurden wir aber wohl noch ganz gut behandelt. Im Internet gibt es Beschreibungen von 2 Stunden Fahrzeit. Ich möchte nicht wissen, wie man sich nach einem solchen Trip fühlt. Eine kleine Bemerkung noch am Rande. Der Taxifahrer erhält für diese Fahrt umgerechnet etwa 8 Euro inkl. Spritgeld, während die Mafiavermittler (also die Visaboys) die restlichen 32 Euro einsacken. An den Straßenrändern, sahen wir die Gebäude der einheimischen, die sich als Mischung aus Wellblechhütten und Holzverschlägen beschreiben lassen. Nackte Kinder sprangen in die trüben Pfützen vor den Häusern und badeten darin, während einige Meter weiter Stände aufgebaut waren, wo Benzin in gebrauchten Cola und Fanta PET Flaschen verkauft wurde. Mein erster Gedanke galt selbst gepresstem Apfelsaft, bevor mich unser Taxifahrer aufklärte. Die Armut ist selbst in den ländlichen Gebieten Thailands, keineswegs mit der Armut in Kambodscha zu vergleichen. Die Thais haben immerhin eine Infrastruktur, was man von Kambodscha nicht wirklich behaupten kann. Immer wieder erblickt man aber auch große Häuser im westlichen Stil zwischen den Baracken, was die ungleiche Verteilung des Geldes im Land widerspiegelt. Ebenso wie in Thailand hat Kambodscha mit schwerer Korruption und Vetternwirtschaft zu kämpfen.

Es war schon spät und die verstaubte Straße, deren Dreckschwaden von den Scheinwerfern der Taxis dumpf durchstoßen wurden, wirkte wie ein Feldweg ins Nirgendwo. Plötzlich aber hörte das Ruckeln schlagartig auf und wir fuhren auf einer perfekt asphaltierten Straße, wie wir sie schon aus Thailand gewohnt waren. Wenige Minuten später tat sich eine hell erleuchtete Straße vor uns auf, während links und rechts die ersten großen Hotelbauten in Sicht rückten. Siem Raep schien wie eine Insel im Ozean oder wie Las Vegas in der Wüste. Noch kurz vorher hätte man sich verloren glauben können und plötzlich fand man sich in der weltgrößten Ansammlung an Fünfsternehotels in einer Straße wieder. Paradoxen, die viele Fragen aufgeben. Noch vor wenigen Jahren, haben sich die Menschen in den Vorsiedlungen Siem Raeps noch Affen auf den Rücken gesetzt, der den entsprechenden Menschen dann lauste. Derartige Dinge haben wir nicht mehr gesehen, aber dennoch ist der Unterschied vom Land zu Siem Raep gewaltig und bedrückend. Auch wir kehrten in ein recht schönes 5 Sterne Hotel mit Namen Lotus Angkor ein, das schlicht und edel designed, einen erholsamen Aufenthalt versprach. Nachdem die Formalitäten an der Rezeption erledigt waren, genossen wir es endlich in die weichen Federn des Hotelbetts zu versinken und unsere Wirbelsäule zu entlasten.



Zuvor hatte ich dem Hotel mitgeteilt, dass sie doch bitte Vorbereitungen für ein Honeymoon treffen sollten, was sich in einer Blumengefüllten Badewanne und einem mit Rosenblättern geziertem Bett manifestierte. Allerdings fiel mir das alles erst wirklich auf, als mir meine Angebetete als Dank um den Hals fiel. Das Zimmer war geräumig, klassisch designed und gefiel uns sehr. Speziell die warme Dusche, die weder einem arktischen Wasserfall noch einem Kärcher Hochdruckreiniger glich, fand meine Begeisterung. Allerdings musste man erstmal das ganze Honeymoon-Grünzeug aus der Wanne entfernen, bevor man ein Bad nehmen konnte.



Es dauerte nicht wirklich lange, bis uns der Hunger nach draußen trieb und wir einen Tuktuk Fahrer baten uns in ein original Khmer Restaurant zu fahren. Wir landeten in einem sterilem Tourischuppen, der kurz darauf von einer Busladung deutscher Senioren aufgesucht wurde. Es schien als hätte das Altersheim spontan einen Ausflug nach Siem Raep unternommen. Allerdings konnten wir vom Ober einen preiswerten Tuktukfahrer vermittelt bekommen, der uns am nächsten Tag zu den Tempelruinen von Angkor bringen sollte. Nach der an sich ganz verträglichen Mahlzeit, setzte das postprandiale Vigilanzsupressionssyndrom ein und förderte einen fix eintretenden erholsamen Schlaf.

Samstag, 10. November 2007

May I go in the toilet?

So meine lieben Leser, nach längerer Abstinenz gibt es endlich wieder was zu lesen und natürlich auch wieder etliche Bilder für die Guckerfraktion, die sicher schon ganz ungeduldig auf neue Posts wartet. Es gibt eine ganze Menge zu erzaehlen, so dass ich aus Zeitgruenden wahrscheinlich nur die Hälfte erzaehlen kann, und mich dabei auf die wichtigsten Dinge beschränken muss. Anders würde ich mit meiner Ferienbeschreibung noch nicht fertig sein, wenn mein Flugzeug bereits deutschen Boden berührt. Lange Zeit hatte ich auf den 25. September hingefiebert, hatte Kalender gebastelt, an dem ich jeden Tag einen Tageszettel abziehen konnte. An jenem Tag fiel also der letzte Zettel und ich machte mich mit dem Bus auf zum Flughafen um jene Frau empfangen, die ich über Monate herbeigesehnt hatte. Einige werden sich jetzt sicher fragen, von wem ich denn da spreche, da es ja vor meinem Abflug noch kein weibliches Wesen an meiner Seite gab. Aber evtl. entsinnt ihr euch an einige Schriebe aus den Anfängen des Blogs, in denen ich immer wieder auf eine Frau hinwies, die mir schon in Deutschland innerhalb weniger Stunden sehr ans Herz gewachsen war und auch sie war der Grund, warum ich meine Finger von der Irin im Camp ließ. Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwieriger, da Khom Khai, der seit Jahren kein Bus mehr gefahren ist, mal wieder meinte, die Busverbindungen besser zu kennen als ich und warf damit noch morgens meine Planung völlig durcheinander und stellte mir kein Auto zur Verfügung, mit dem ich an die Bushaltestelle fahren wollte. Wohlgemerkt hatte er am Vorabend noch alles so bestätigt wie ich es geplant hatte. Aber in Thailand heißt das nicht wirklich was, weshalb ich das alles auch noch sehr gelassen nahm. Meines Gastvaters Plan war es mich in einen Van zu setzen, der als Busersatz schneller und ohne Stopps direkt nach Bangkok durchfahren würde. Natürlich warf diese Vanvariante auch meinen Zeitplan durcheinander, so dass ich 3,5 Stunden zu früh am Flughafen stand, obwohl der Van zwischendurch 2 Stopps zum Essen einlegte, die ihn langsamer machten als ein Bus. Aber mir sollte an diesem Tag alles egal sein, da der Moment in dem Andrea in meinen Armen liegen würde, für all das entschädigen würde. So kam es dann auch. Glücklich und überzufrieden traten wir die Rückreise mit Taxi und Bus an bis wir spät abends nach dem Kofferpacken in Khom Khais „Manorom Resort“ eintrafen.



Nun ist Resort vielleicht ein etwas inadequater Ausdruck für die Billigabsteige, die aber immerhin eine warme Dusche mit Durchlauferhitzer zu bieten hatte. Demnach schon mal eine große Steigerung zu meiner morgendlich kalten Dusche in meinem Haus. Das Zimmer kostet in der Regel 9 Euro pro Nacht mit Klimaanlage und thailaendischem Fernsehen. Die Betten, wie meine Erzeuger bestätigen können, erinnern in der Regel an eine massive Holzplatte die unwillkürlich an einen Tischplatte erinnert. Bis heute habe ich noch nicht herausgefunden mit was die Thais ihre Matratzen befüllen, aber vermutlich ist es eine Substanz deren gefühlte Viskosität und Weichheit zwischen der von Massivholz und Zement anzusiedeln ist. In der ersten Nacht hatten wir sogar noch Glück und erwischten ein Zimmer mit Spiralmatratze, die zwar nicht ganz so hart war wie die übrigen Matratze, dafür aber mit harten Drahtspiralen aufwartete, die sich unangenehm in den Rücken bohrten. Auch wenn es für Andrea sicherlich ein Rückschritt in Sachen Komfort war, war es doch für uns beide gefühlsmäßig ein großer Fortschritt endlich nebeneinander zu liegen (diesen Satz habe ich bekennender Weise geklaut, er stammt aus einem unserer Briefwechsel).
Der nächste Tag führte uns in meinem alten neuen Toyota Pickup in den Nationalpark. Im Verlauf der Woche hatte ich der Rostlaube durch ein bisschen Bastlerei eine HiFi Anlage mit 6 GB Speicherplatz und digitaler Touchpadsteuerung verpasst. Praktisch sah das so aus, dass ich einen der Ghettoblaster der Schule mit einer Adapterkassette versah, und meinen iPOD daran anhängte. Ein 30er Pack D-Zellen aus dem Supermarkt komplettierte das „Hifi-Monster“. Mein Freund Martin, dessen Auto sich lediglich durch Schalldruck aus dem Kofferraum fortbewegen könnte, wird sich sicherlich die Haare raufen, wenn er diese Konstruktion hier sieht.



Zwar sprang der Playknopf einige Male wieder raus, was aber durch den guten alten Tapestreifen schnell behoben werden konnte. Die Idee mit dem Pflaster kam mir aus der Erfahrung bei Fielmann. Dort klebten unsere Kunden ihre Brillen (medizinische Geräte) auch überverhältnismäßig oft mit Pflastern zusammen. Warum also nicht auch beim Ghettoblaster.
Bevor wir das Hotel erreichten, machten wir an dem Outletcenter, das ich zuvor schon mal mit Chris und anderen Freiwilligen aufgesucht hatte halt, und gaben uns dem hemmungslosen Kaufrausch hin. Nach einigen Stunden, hatten wir so ziemlich alle Geschäfte abgeklappert die sich am Ort befanden und fanden uns mit einer übergroßen Anzahl an Tüten an unserem Ausgangsshop wieder. An dieser Stelle sei jedem das Outletshoppen in Thailand geraten. In Bangkok mag es riesige Designerkaufhäuser geben, aber was den Preis angeht schlagen diese Outlets im Nordosten Thailands jeden Einkaufstempel, den ich in Bangkok gesehen habe.



Nach einer kaum geschlafenen Nacht und einer hemmungslosen Shoppingtour kamen wir spät Abends in unserem Hotel an. Das Greenery Resort im Khao Yai Park gehört zweifellos zu den besten und zudem auch noch günstigsten Resorts in der Parkgegend. Obendrein wurde uns auch noch ein Premierzimmer anstatt eines Superiorzimmers kostenlos gesponsert. Als Grund fungierte vermutlich eine Überbuchung mit thailändischen Gästen, die in diesem Hotel so gut wie jeden Tag heftige Karaokeparties feiern. Ansonsten aber hat das Hotel noch einen riesigen Adventurepark zu bieten, von dem wir allerdings ebenso wenig gebraucht machten wie von den Karaokeparties. Als dann zu später Stunde auch die letzte Lärmquelle erloschen war, ruhten auch wir.
Am kommenden Tag hieß es früh aufstehen, da ich meinen Weg nicht mit Touristenmassen teilen wollte. Wie gewöhnlich brachte ich meine Angebetete und mich als Lehrer für 40 statt der 400 Baht in den Park und fand mich nach wenigen Minuten in einem menschenleeren Nationalpark wieder. Es gestaltete sich sogar etwas schwierig an einem Viewpoint ein Foto von uns zu machen, da weit und breit keine Menschenseele in Sicht war.



Gemeinsam blickten wir über die schier endlosen Weiten des Khao Yai, was übersetzt so viel heißt wie „große Berge“, und genossen diesen Ausblick als Vorbote einer wundersamen Zeit. Wir wanderten durch Urwaldpfade, vorbei an Seen und Saltlicks. Durch hohes Schilfgras und durch Gebüsch. Plötzlich wurde unser Guide aufmerksam, da er ein Knacken gehört hatte. Mein erster Gedanke bei solchen Situationen galt immer einem wilden Tiger, von denen es ja immer noch welche im Park geben soll. Und wie sich noch herausstellen sollte waren die Tiger für einen späteren Zeitpunkt meines Lebens vorbehalten. Das Geräusch aber kam von den Bäumen und es dauerte nicht lange bis wir schwarze Gibbons und andere Affen auf den Urwaldriesen turnen sahen. Wenn ihr das Bild vergrößert könnt ihr den Affen auch sehen. Sollte die Vergrößerung wie so oft nicht funktionieren, könnt ihr alle Bilder dieses Blogs auch im gleichnamigen Picasa Ordner abrufen. Die Adresse für den Picasazugang gebe ich am Ende des Posts bekannt.



Unser Trip durch den Nationalpark führte uns natürlich auch an den Wasserfällen vorbei, die auch im Film „The Beach“ Verwendung fanden, vorbei an unzähligen Bäumen, die mit ihrer Form und Gestalt Inspiration für jeden Fantasieroman brachten. Da sich auch mit der Zeit nicht mehr Menschen zu uns gesellten als es schon am Viewpoint waren, experimentierten wir fleißig mit dem Selbstauslöser weiter, der so manche Momentaufnahme produzierte.



Auf unserem Weg zum letzten Wasserfall begegneten wir der Topattraktion unseres Trips. Plötzlich als wir um eine Kurve bogen, griff ich meiner Beifahrerin an den Arm und machte sie mit offenem Mund staunend auf einen Hügel am Straßenrand aufmerksam, auf dem ein deutlich wilder, zerfletterter alter Elefantenbulle stand. Das musste natürlich für ein Motiv herhalten, so dass ich mich langsam näherte. Weit und breit war keine Menschenseele in Sicht, so dass wir diesen Augenblick ganz für uns allein hatten. Elefanten sieht man ja überall, aber wirklich wilde Elefanten sieht man selten. Bei meinem letzten Besuch hatten wir vergebens nach ihnen gesucht. An der Straße hielt ich an, ließ



den Motor laufen und die Tür weit offen als ich das Auto mit eingeschalteter Kamera verließ. Sehr vorsichtig näherte ich mich dem grauen Riesen, der plötzlich unvorhersehbar auf mich los galoppierte. Anstatt den normalen von mir gedachten Weg zu nehmen, trampelte der Bulle mit fächernden Ohren direkt den Abhang herunter auf mich zu. Diese so träge scheinenden grauen Massen können ganz schön schnell sein, wenn man sie reizt, habe ich festgestellt. Andrea schrie im Auto nach mir, während ich zügig meine Beine in die Hand nahm, mich hinter das Steuer klemmte und mit quitschenden Reifen dem



Elefanten die Rücklichter zeigte, der Gott sei dank auf der Hälfte der Strecke, nachdem ich die Flucht ergriffen hatte, stehen geblieben war. Mit klopfenden Herzen und einer ungekannten Adrenalinkonzentration im Blut war uns dieser Augenblick in unser Gedächtnis eingebrannt worden. Das allerdings sollte uns nicht daran hindern auf dem Rückweg bei einer ganzen Herde wieder stehen zu bleiben, bis wiederum ein Elefant auf unser Auto zugaloppierte und ich schon den zweiten Kreidlerstart an diesem Tag auf die Straße brachte. Weniger Meter weiter machten wir Bekanntschaft mit Paul.



Paul ist ein Pavian, der seinen Namen ganz spontan erhielt und sicherlich zu den arrogantesten und eitelsten Affen in ganz Thailand zählt, wie die Bilder eindeutig zeigen. Vorerst bat Paul höflich im Stehen um eine Mitfahrgelegenheit wandte dann aber voller Verachtung den Kopf ab, nachdem er unsere Rostlaube und ihre zwei Insassen genauer in Augenschein genommen hatte.



Ansonsten genossen wir weiterhin die wunderschönen Landschaften des Parks, trafen aber abgesehen von einer Schlange die uns über den Weg kroch nichts weltbewegendes, was der Tierwelt zugeordnet hätte werden können. Nach einem letzten Blick vom höchsten Viewpoint, der leider durch einige Nebelschwaden schon eingetrübt war, machten wir uns auf den Weg nach ins Hotel.



Allerdings hatten die Nebelschwaden auch einen anderen überragenden Effekt, da man so das Gefühl hatte über den Wolken zu stehen, die durch das darunter liegende Tal zogen. Für die Rückfahrt gab es nur eine mögliche Strecke, nämlich die, die wir auch gekommen waren. Mir war die Strecke noch wohl bekannt, da wir sie beim letzten Mal mit dem Schulbus bei Dunkelheit gemeistert hatten. Gemeistert deshalb, weil die hälfte der Strecke von starken Regengüssen und anderen physikalischen Verwitterungserscheinungen quasi wegerodiert worden war. Große Tiefenerrosionen hatten den Asphalt unterspült und einfach abgetragen. Dennoch machte unser 20 Jahre alter, roter Toyota auch hier nicht schlapp und brachte uns wieder gut vom Berg. Einziges Manko bei der Fahrt, waren die Scheiben, die unablässig beschlugen, je mehr wir an Höhenmetern verloren. Schließlich entschloss ich mich anzuhalten, die Handbremse zu ziehen und die Scheiben mit einem Tempo sauber zu machen.



Als das dann erledigt war, stieg ich wieder ein und machte mich daran die Handbremse zu lösen, was mir aber leider nicht so wirklich gelingen wollte. Nicht weil ich zu dämlich war eine gewöhnliche Handbremse zu lösen, sondern weil ich eine solche Art von Handbremse, die man quasi als ein Stab unter dem Lenkrad herauszog und dabei noch drehen musste, noch nie zuvor gesehen hatte. Ich versuchte und drückte, drehte, zog und schob, aber zurrte die Bremse dadurch nur noch fester. Da standen wir also mitten im Nationalpark während es schon recht dunkel wurde. Mitten im nirgendwo umgeben von riesigen Schilfgrasfeldern und sonst nichts. Das Headquarter lag gute 10km entfernt und weit und breit war kein Auto zu sehen. Aber ich hatte ja noch mein Handy dabei, das für solche Fälle sehr nützlich ist. So ruf ich Khom Khai an und fragte wie man diese thailändischen Handbremsen lösen konnte, der mir aber auf Grund miserabler Englischkenntnisse auch nicht weiterhelfen konnte. So gab er mir nur den Hinweis „Put up in the sky“, den ich am Telefon etwas zweifelnd laut wiederholte und von ihm bestätigt hörte, woraufhin meine Gattin die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Gott sei dank war ich mittlerweile soweit zu bemerken, dass Khom Khai mehr Schrott erzählt als das er nützliche Infos von sich gibt, was mich dazu brachte es zwar zu versuchen, aber nicht mit aller Gewalt dem Folge zu leisten. Hätte ich das Dinge denn wirklich „up in the sky“ gezogen, wäre vermutlich der ganze Hebel abgebrochen. Kurz darauf fuhr ein Thailaender mit seinem Wagen in Richtung unserer Position, so dass ich diesen dann auch gleich anhalten und um Hilfe bitten konnte. Der Gute Mann stieg aus seinem Wagen und lief zu unserem Pickup, während ich ihm das Problem erklärte, schwang sich gekonnt hinters Lenkrad, drehte die Handbremse in eine bestimmte Position und schob sie dann mit einem leichten Druck zurück in den Motorraum, nickte und verabschiedete sich. So viel also zu „put up in the sky“. Ich kam mir ziemlich dämlich vor und vermutlich war ich das sogar auch in den Augen des Thais. Dennoch war ich einfach froh, jetzt ganz gewöhnlich nach Hause fahren zu können und ein Hotelbett dem Schilffeld vorziehen zu können.



Unser Abendessen nahmen wir in einem Restaurant ein, dass wir schon bei der Hinfahrt vom Straßenrand aus gesehen hatten. Die Speisekarte war köstlich, die Weine gut und das Ambiente einfach bezaubernd. So spielte während unseres gesamten Aufenthalts ein Ensemble aus Gitarre, Ziehharmonika, Banjo und Kontrabass nur für uns, während wir auf einer Holzebene über einem kleinen See mit Blick auf die Rosenbeete des Restaurants unsere Speisen genossen. Ein sehr exquisites und nicht gerade billiges Unterfangen, aber definitiv seinen Preis wert, der in Thailand ja immer noch deutlich niedriger angesiedelt ist als in Deutschland. Die Nacht im Greenery war ebenso angenehm wie schon die vorherige und gab mir mit superweichen Betten und einer warmen Dusche allen Luxus, den ich mir gewünscht hatte. Nun gut, bei der Dusche musste man etwas zurückstecken, da wegen ziemlich verkalktem Duschkopf nur noch aus wenigen Löchern Wasser floss, und die zwar wunderbar warme Dusche dadurch den Charakter eines Kärcher Hochdruckreinigers bekam. Aber bekanntlich habe ich mich ja hier schon an so einiges gewöhnt, da war eine Dusche wie diese schon gar nichts Besonderes mehr. Den Morgen im Khao Yai schlossen wir mit dem Füttern



Von domestizierten Elefanten ab, bei denen wir nicht Gefahr liefen jeden Moment überrannt zu werden. Für 20 Baht pro Person kauften wir jeder eine Staude Bananen und verfütterten diese dann an die grauen Riesen, die ihrerseits teilweise sogar mit Kunststücken für die Bananen dankten. Faszinierend war es allemal wie sie ihre langen grauen, borstigen Rüssel ausstreckten und man ihnen tief in ihre verhältmäßig kleinen Augen sehen konnte. Wir verweilten noch eine ganze Zeit hier und schossen zahlreiche Bilder von den grauen Riesen, bevor wir unsere Reise nach Kambodscha antraten. Dazu gibt es dann das nächste mal mehr Informationen.




Den Rest dieses Posts möchte ich neben der Reisebeschreibung nun noch auf die Beschreibung der thailändischen Kultur und Erziehung verwenden, die mir in manchen Situationen ernsthaft mehr als nur fremd vorkam. Ich meine euch bereits von meinem Besuch in den Bergen erzählt zu haben, wo sich eine Hand voll Mönche mit freiwilligen Helfern unter einem großen Blechdach trifft und sie gemeinsam dort die Amulette herstellen, die sich bevorzugt die männlichen Thais um den Hals hängen. Da jedes dieser Amulette aber nur von einem Mönch kommt, jeder Mönch für eine bestimmte Fähigkeit bekannt ist, reicht da natürlich eines nicht aus, da müssen mehrere her. Das eine Amulett verhindert das eindringen von Kugeln in den Körper, das andere bringt alle Frauen der Welt dazu den Kerl zu lieben der es trägt und wieder ein anderes ist gegen Blähungen. So summiert sich der Ganzkörperschutz auf etwas mehr als nur ein Amulett, das alleine manchmal schon 10 bis 15cm Durchmesser hat. Dazu kommen dann noch abgeschnittene Tigerhaare in Plastikhülsen oder Schriftrollen, die ebenfalls an einer Kette Platz finden müssen.

Soweit ist das ja alles noch ganz in Ordnung. Was aber bei meiner letzten Beschreibung fehlte war die Beschreibung der Herstellung. Und zwar bestehen diese Amulette aus einer Art getrockneten und gepressten Sandsteinsubstanz, hat aber auch noch diverse andere Inhaltsstoffe. So sah ich erst kürzlich wieder in einer dieser Fertigungsstätten die einzelnen Inhaltsstoffe dieser Amulette, zudem auch ein großer Haufen feinweißer Sand gehörte, der angeblich aus einem besonders heiligen Berg stammt. Meiner Meinung nach war es schlicht und ergreifend klein gemahlener Sandstein. In einer unbemerkten Situation schlich sich dabei ein Hund an den Haufen, hob sein Bein verscherrte sein Geschäft etwas und ging von dannen. Nun denke ich mir, dass wenn der Hund den Haufen schon als Toilette für kleine Königstiger benutzt, so wird er sicherlich nicht davor zurückschrecken auch anderes Exkrement dort zu vergraben. Nachsehen wollte ich jetzt nicht. De Facto wird diese Stein-Hundeexkrement-Mixtur anschließend mit etwas vermischt, dass für mich wie tagelang abgestandene Bohnensuppe aussah, die dem Geruch nach auch durchaus danach roch. Anschließend wird das ganze mit etwas mehligem (vermutlich Zementpulver) angedickt und von den Mönchen und Freiwilligen in Formen gepresst und anschließend getrocknet. Einige freiwillige Helfer fügen die getrockneten Amulette dann in acrylglasartiges Plastik ein und versehen sie mit einer schön kitschigen Plastikkette. Zuletzt kommt der oberste Mönch, dem meist sogar Zukunftsprophezeiungen nachgesagt werden, und segnet die Bohnensuppe im Plastikkästchen. Um sich mit einem dieser Amulette ausstatten zu dürfen und die Ehre zu erfahren frisch gepresste Bohnensupper mit Zement und Hundeurin um den Hals tragen zu dürfen, legen die Thais gut und gerne 1000 Baht ( ca. 20 Euro) hin, was oft ein Fünftel ihres Monatsgehalt ist. Und wer jetzt denkt, dass nur eine Minderheit auf den Hokus Pokus reinfällt, der liegt falsch. Innerhalb von zwei Tagen war, so Khom Khai, der gesamte Vorrat der Mönchsproduktion abgesetzt. Einfach unglaublich. Für mich sind diese Amulette quasi die Äquivalenz zu den Ablassbriefen der römisch katholischen Kirche.

Ein anderes erst kürzlich beobachtetes Schauspiel bot sich mir im Lehrerzimmer beim Mittagessen. Nebenbei möchte ich auch erwähnen, dass ich diese Absätze hier gerade nur schreiben kann, da mein Unterricht wieder Mal durch ein spontan einberufenes Meeting für den Rest des Tages ausfällt, nicht das jemand auf die Idee kommt es hätte sich was geändert. Im besagten Moment im Lehrerzimmer traten einige Mädchen der Klasse drei ein und petzten (im Plaudern und Petzen sind die Thais weltklasse), dass ein Junge Steine in ein Bienennest geworfen hatte, worauf die Bienen einen Schüler ziemlich zu Leibe gerückt waren. Die pädagogische Maßnahme Khom Khais bestand darin, sich den Schüler zeigen zu lassen und ihm dann mit einem Teppichmesser in der Hand drohte, dass er ihm als Strafe die Hand aufschneiden würde. Der kleine Junge, der vielleicht gerade mal 7 Jahre alt war, fing jämmerlich an zu weinen und zitterte am ganzen Körper. Trotzdem befahl Khom Khai ihm weiter seine Hand auf den Tisch zu legen und fuhr mit dem ausgefahrenen Teppichmesser eine Längslinie bis zum Oberarm, der die Schnittlinie signalisieren sollte. Der kleine Junge drückte die Hand auf den Tisch und hielt sich mit der anderen Hand die Augen zu, woran man deutlich erkannte, dass er nicht mit Spaß rechnete. Die Lehrer beim Mittagessen am hinteren Tisch grinsten was das Zeug hielt, und heizten Khom Khai damit nur noch weiter an. Dieser Riss dann Witze darüber, wie er denn mit nur einer funktionierenden Hand essen würde oder ob er ihm lieber das Ohr abschneiden sollte. Ich hielt mich aus der ganzen Sache raus, da ich es als fremde Kultur akzeptierte, innerlich aber mehr als geschockt war. Khom Khai hätte man in Deutschland sicherlich schon vor Jahren als Direktor abgesetzt. Und das nicht weil er sich lediglich um das Aussehen und nicht um die Lehrqualität seiner Schule kümmert, sondern vermutlich primär, weil er immer wieder einige Schülerinnen zu sich ins Büro ruft und sie dort betatscht und küsst als wären sie seine Töchter. In Deutschland hätte man ihm klar pädophile Neigungen nachgesagt, während das hier in Thailand wohl anders zu sein scheint. Einmischen möchte ich mich in diese Themen aber auf jeden Fall nicht, da ich nicht in dieser Kultur aufgewachsen bin und ich schließlich auch nur noch 7 Wochen da bin. Allerdings trugen all diese Sachen maßgeblich dazu bei, dass ich die Idee des Spendenkontos für die Schule wieder verworfen habe. Ich glaube, dass es wenig Sinn hätte in die Schule zu investieren, wenn ich nicht ein Leben lang hier bleiben würde. Thais können mit Geld einfach nicht umgehen und verwenden es zum Großteil auf völlig nutzlose Dinge.
Außerdem: Erinnert ihr euch noch an die Sparkassenwerbung in der ein ziemlich hektischer DJ mit verfilztem Haar an seinen Turntables gezeigt wurde, und dann die Einblendung „Würden sie ihm ihre Kreditkarte leihen?“ ins Bild kam? Nun die Frage an euch würdet Sie für ihn ein Spendenkonto einrichten?:



Das die Thais mit Geld nicht umgehen können zeigte zum Beispiel der Bau eines neuen Eisenträgers, an den die Motorräder der angestellten und Eltern angekettet werden können. Die Schüler fahren meist noch keine Roller oder Motorräder, und das nicht aus dem Grund weil sie es nicht dürften, sondern weil sie nicht ans Lenkrad kommen, wenn sie sitzen. Also wieder eine völlig unnötige Investition in einer Zeit, in der die Wannarat nicht mal ihre Lehrer bezahlen kann, da die staatlichen Subventionen seit 2 Monaten ausgeblieben sind und sich Khom Khai durch die Autogeschichten finanziell auch nicht in der Lage sieht die Lehrer zu bezahlen. Da ist so ein Stahlträger natürlich genau das, was man in dieser Situation braucht. Nun, vielleicht muss man das auch alles gar nicht verstehen. Fakt ist, dass es unserer Kultur mehr als fremd und unverständlich ist. Aber es heißt noch lange nicht, dass es damit schlechter ist.

Den Teil, den ich hier selbst zum Chaos beitragen kann, übe ich nach wie vor in gewohnter Form aus, mit dem einzigen Unterschied, dass ich meinen Tagesrhythmus so umgestellt habe, dass Khom Khai mich morgens um 6 nicht mehr wecken kann. Einfaches Gegenmittel: Früher aufstehen als er. So gehe ich im Moment um 21 Uhr schlafen und stehe um fünf vor 6 auf. Wie es aber der Teufel will, und ich könnte bald schon an eine Verschwörung gegen mich glauben, betrat Wor Ranat das Bad wie gewohnt um vier Uhr, Khom Khai allerdings schon um kurz nach fünf, worauf ich selbst mit meinem Ausnahmeplan nicht vorbereitet war. Von 5:30 bis 8:00 Uhr lief dann die Glotze auf voller Lautstärke, während meine Gasteltern laute Gespräche führten. Aber ich hätte nur eine halbe Stunde meines geplanten Schlafs verloren, wenn mich nicht mein Freund Martin noch um kurz vor elf angerufen hätte. Gewöhnlich bereite ich dann ab 6:30 den Unterricht für den vor mir liegenden Tag vor, was meist bis 8:30 dauert. In einer meiner letzten Unterrichtsstunden in Klasse 3 beschäftigten wir uns mit Fragesätzen wie „May I go outside“ und „May I sharpen my pencil“. Soweit klappte alles ganz gut und ich meinte, dass es der Großteil verstanden hatte. Etwa zehn Minuten vor Ende der Lehrstunde trat ein etwa halb so großer Junge mit dunklen zugekniffenen Augen an mich heran und fragte mich mit stolzer Brust: „May I go in the toilet?“ , was mich mal wieder zweifellos erkennen ließ, dass auch ich meinen Lehrauftrag ganz im Sinne des thailändischen Schulsystems vollständig verfehlt hatte. Dennoch war ich von der Frage derart amüsiert, dass ich ihm auf deutsch „na wenns dir Spaß macht, an mir solls nicht liegen“ antwortete, was er zögernd als „Yes, you may“ verstand und sich in eine Toilettenkabine verzog. Ob er dort tatsächlich in eins der thailändischen Plumpsklos gekrochen ist, habe ich leider nie erfahren. Als er wieder kam sah er jedenfalls noch genauso sauber und trocken aus wie zuvor.

P.S.:
Fuer die Bilderfreaks gibt es jetzt alle Bilder zum Post in der aufloesung 1024x768 im gesonderten Album meiner Picasa Webalben. Hier der direktlink:

http://picasaweb.google.com/philipp.stephan/MayIGoInTheToilet

Wenn man auf die einzelnen Bilder klickt wird man aber auch direkt ins Album geleitet.

Montag, 8. Oktober 2007

Seelig sind die geistig armen

So meine Lieben. Die glückselige Zeit des ersten Urlaubs ist vorbei und ihr bekommt wieder was zu lesen. Folgender Post war eigentlich noch als kleines Extraschmankerl für euch gedacht und sollte vor meinem Urlaub publiziert werden, was aber aus zeitlichen Gründen nicht mehr einzuhalten war. So sollte es nicht wundern, dass in diesem Post noch nichts über Kambodscha oder andere Reiseziele geschrieben steht. Aber natürlich werdet ihr in den nächsten Blogs mehr darüber erfahren, keine Sorge. Kleiner Hinweis noch am Rande, es lohnt jetzt in die Kommentare ein zweites mal hineinzusehen, da ich ab letztem Post Kommentare selbst unter dem Namen „Phil hat gesagt“ rückkommentiere. So meine ich gleicht mein Blog weniger einem Diktat und wird mehr zu einem Diskussionsforum, was der ursprüngliche Sinn eines Blogs ist. Nun will ich euch aber nicht noch länger auf die Folter spannen. Hier der Text:

Nachdem ich dem ich mich in mich ungefähr einen Monat am Stück abgeschuftet hatte, am Wochenende bei Greenway und unter der Woche an der Schule, gab mir dann auch mein Körper ein deutliches Zeichen, dass es nun genug sei. Als ich abends einschlafen wollte, ging mir ein dauerhaft klingelndes Geräusch nicht mehr aus dem Ohr. Und als es auch mehrere Tage anhielt und bis heute nicht verschwunden ist, machte ich mir ernsthaft ein wenig Gedanken. Mit zwanzig Jahren Tinitus wäre zwar ungewöhnlich, aber bei meinem Arbeitsdrang aber durchaus denkbar. Daher ließ ich mir von meinem Gastvater einen guten Ohrenarzt empfehlen, der im 60km nördlich gelegenen Städtchen Nakhon Suan aufzufinden war. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass dabei nicht wirklich ein fachkundiger Arzt zu erwarten war, da es praktizierende Ärzte erst seit ca. 20 Jahren in Thailand gibt und diese natürlich nicht über die gleiche Ausbildung und Diagnostik verfügen wie die europäischen Staaten. So erklärte ich mein Syndrom und fügte auch hinzu, dass ich in letzter Zeit sehr viel gearbeitet hätte. Der Arzt fragte nach lauten Schlägen oder Konzerten von denen mein Ohr betroffen sein könnte, was ich aber sicher ausschließen konnte. Außer dem Geschrei der Kinder, das einem gelegentlich das Trommelfell kostet, hatte ich keinem Raketenabschuss oder ähnlichem beigewohnt. Ganz im Gegenteil. Ich war so sehr mit meiner Arbeit beschäftigt, dass ich gar keine Zeit für Freizeit und laute Events hatte. Ich war froh, wenn ich ein paar ruhige Stunden zum Schlafen nutzen konnte. Die Diagnose war innerhalb von weniger als einer Minute gestellt: „Da ist etwas im Ohr nicht in Ordnung, aber er könne da nichts sehen“. Ja, das war mit Sicherheit richtig, aber leider nicht sehr präzise. Nach 2 Minuten Diagnostik inkl. Medikamentenverordnung bekam ich an der Empfangstheke eine Sammlung an Klarsichtbeuteln ausgehändigt, in die eine Fülle an Pillen gefüllt wurden. Khom Khai riet mir ernsthaft, dass dieser Mann eine Menge Erfahrung hätte, und man ihm sicher vertrauen könnte. Als ich dann aber Khom Khais Medikamente und die meinen miteinander verglich, musste ich feststellen, dass der Arzt bei einem Tinitus exakt die gleichen Pillen verschrieb wie bei einem offensichtlichen Trommelfellriss, den sich Khom Khai zuvor zugezogen hatte. Am folgenden Tag setzte ich die Medikamente (3 Pillen am Morgen, 2 am Mittag und 4 am Abend) ab, da ich für mich beschloss, dass dieser Mann, der sich Doktor nannte, nicht den Hauch einer Ahnung hatte, was ich beklagte und worin die Ursache dafür lag. Sollte der andauernde Ton nun nach einigen Wochen Relaxurlaub immer noch nicht verschwunden sein, werde ich eine Klinik in Bangkok aufsuchen, bei der ich fachkundige Ärzte anzutreffen gedenke.
Was das unterrichten angeht, werden die Erkenntnisse immer düstere. Ich hatte ja erst wegen der Lernbereitschaft auf die jüngeren Schüler gewechselt und versuche nun dort mein Bestes zu geben. Allerdings konnte ich, nachdem ich auch die Klassen zwei bis vier inspizierte ohne Zweifel sagen, dass nahezu alle Schüler englische Analphabeten sind. Khom Khai, der das nicht glauben wollte, legte ich einige HÜs vor und machte ihm die Misstände klar. Daraufhin machte er die Runde durch die Klassen, um sich selbst davon zu überzeugen, danach sah auch er ein, dass seine Schule und Lehrerstamm im Bereich des Englischen völlig versagt hatte.
Sich einzugestehen, dass seine glorreiche Wannaratschule, die er für so glänzend hält, nicht in der Lage ist den Kindern die Grundlagen der englischen Sprache beizubringen bedrückte ihn dermaßen, so dass er den Unterricht für diesen Tag abbrach und die Lehrerschaft zu einer Konferenz bat. Und mit Grundlagen meine ich nicht etwa das Konjugieren einfacher Verben, sondern überhaupt Schreiben und lesen zu können. Viele Leute schreiben mir, dass ich nicht zu viel erwarten sollte. Aber ist es denn wirklich zuviel erwartet, dass man den Kindern in 6 Jahren lesen und schreiben beibringen kann? Ich denke doch eher nicht. Bisher war ich der Auffassung gewesen, dass man bei den oberen Klassen vergessen hatte die Grundsteine zu legen, aber als ich nun in den jüngeren Klassen unterwegs war, musste ich feststellen, dass die Grundsteine immer noch nicht gelegt werden. Natürlich ist es dann auch unmöglich einen Vokabeltest mit zehn aus 20 Vokabeln fehlerfrei zu schreiben, wenn man jeden Buchstaben und seine Position im Wort auswendig lernen muss. Aber so funktionierte bisher das Englischlernen. In der Lehrerkonferenz unterbreitete ich ein neues Konzept, dass erst komplett abgelehnt wurde, weil man die Schüler als zu unmotiviert einstufte, dann aber auf mein Dringen argwöhnisch akzeptiert wurde. Ich entwickelte eine Lautschrift mit thailändischen Lettern, die wesentlich einfacher und logischer ist als die „Fanatics“, die man in den Lehrbüchern findet. Zwar lässt sich damit nicht jedes Wort immer 100%ig erklären, aber zumindest ist es ein Gerüst an dem sich die Schüler orientieren können und dass zu 80% die englische Betonung abdeckt. Nur 4 Unterrichtsstunden wurden mir gewährt um den Schülern das System beizubringen. Khom Khai hatte es mit seinen Lehrern in sechs Jahren nicht geschafft. Wie bitte sollte ich das in vier Stunden anstellen? Aussichtslos?!? Nein, es geschehen noch Wunder auf dieser Erde.
Als ich das System mit lustigen Spielen und einer gehörigen Portion Spaß in den Unterricht brachte, sprachen die Kinder sofort darauf an und rissen sich darum, wer den fehlenden Buchstaben an die Tafel schreiben durfte. Khom Khai stand verwundert am Fenster der Klassenräume und verstand die Welt nicht mehr. Ich hatte die vier Unterrichtsstunden ohnehin für viel zu wenig erklärt und hatte mich schon damit abgefunden scheitern zu müssen. Dass die Kinder mir dabei derart unter die Arme greifen und erstmals richtig mitarbeiten hätte ich nie gedacht. Innerhalb von 2 Stunden hatten sie das System verstanden, so dass ich als kleine Belohnung ein Spiel entwickelte, bei dem ich Plastikkarten mit meiner Lautschrift und den regulären romanischen Lettern überall auf dem Schulgelände versteckte. Die Schüler sollten alle Karten finden und dann die passenden Karten aneinander legen. Das Konzept ging voll auf und alle hatten einen riesen Spaß. Anschließend waren die Schüler zwar von der heißen Mittagssonne völlig erschöpft, verlangten aber gleich danach morgen wieder das gleiche zu spielen. Eine Schülerin schlief sogar an Ort und Stelle mit ihrem kleinen Händchen auf meinem Oberschenkel und dem Kopf auf meinem Schoß ein. Ich wagte mich kaum zu bewegen, musste dann aber doch wohl oder übel die nächste Klasse unterrichten. Nachdem der Schock des Analphabetentums überwunden war, deckte ich heute einen weiteren Misstand auf, der mir vor Entsetzen bald den Atem raubte. Da Dienstag ein Tag ist, an dem ich sehr wenig zu unterrichten habe, dafür an anderen Tagen umso mehr, machte ich mich auf ein wenig durch die Gänge zu schlendern und den Kindern beim Lernen zuzusehen. Dabei entdeckte ich eine absolute Seltenheit: Khom Khai unterrichtete eine der jüngeren Klassen und brachte ihnen dort einfaches, schriftliches multiplizieren und dividieren bei. Gespannt beobachtete ich den Tafelanschrieb und schlug aber mental schon nach einigen Minuten die Hände über dem Kopf zusammen. Dabei ging es um die Rechenaufgabe: 100+10:2 = ? . Sicherlich würde man auch einige Deutsche finden, die hier den Fehler machen die Punkt-vor-Strich-Regel außer Acht zu lassen, aber spätestens bei der Erläuterung dann den Fehler erkennen oder zumindest einsehen. Khom Khai schrieb voller Selbstverständlichkeit 100+10:2 =55 an die Tafel. Ich haderte einige Zeit mit mir selbst, da ich nicht die Autorität des Direktors untergraben wollte, konnte mich dann aber nicht zurückhalten und marschierte in den Klassensaal um auf den Fehler hinzuweisen. Khom Khai sah das aber ganz und gar nicht ein, rechnete es mir viermal hintereinander an der Tafel falsch vor und gab mir daraufhin zu verstehen: „In Thai this different, sure!“ . Dass in Thailand die Uhren etwas anders gehen, und das nicht nur in Bezug auf die Zeitzone, als in Europa hatte ich noch verstehen können, aber das grundlegende Mathematik anders ist als überall sonst auf der Welt, war dann doch zuviel für meinen rationalen Verstand. Ich äußerte ein diplomatisches „may be“ und verließ kopfschüttelnd und mit einem unfassbaren Grinsen den Klassenraum. Anschließend fragte ich 4 andere Lehrkörper nach der korrekten Antwort auf die Rechenaufgabe. Alle vier Lehrer errechneten 55 als Ergebnis. Ich fing ernsthaft an meine Rechenkünste selbst in Frage zu stellen. Ich war zwar in Mathe nie die super Leuchte gewesen, aber für die Grundrechenarten hatte es immer noch gereicht. Glücklicherweise fand ich dann den studierten Elektrotechniker, seines Zeichens Schwiegersohn von Khom Khai, der mir als einziger die Stange hielt. Als Beweis für meine Theorie stellte ich ein Dreieck mit einer unbekannten Seitenlänge auf und stellte Khom Khai vor die Aufgabe es mit dem Satz des Pythagoras (axa+bxb=cxc oder a²+b²=c²) zu lösen. Natürlich kannte er diese Formel nicht, aber er konnte akzeptieren, dass es eine funktionierende Formel war, die ich ihm da vorsetzte. Getreu seinem grundfalschen Rechenmuster kam er zu einem völlig falschen Ergebnis. Als dann eine weitere studierte Rektorin einer staatlichen secondary School eintraf, die ebenfalls meine Rechenregel befürwortete, gestand Khom Khai ein, dass er keine Ahnung gehabt hätte. Er hätte einfach immer so gerechnet, wie es am bequemsten gewesen sei (if do plus before, easy, I teach like this because this easy for student in Thai). Kaum zu glauben aber wahr. Zusammen mit der anderen Rektorin und dem Schwiegersohn gelang es mir dann Khom Khai von der Notwendigkeit der Richtigstellung zu überzeugen. Wie sollten diese Kinder denn jemals höhere Geometrie an einer Universität verstehen, wenn sie immer getreu dem Motto Strich vor Punkt weil einfacher, rechnen. Zudem ist es nichtmal einfacher. Der Unterschied ist nur, dass das vermeintlich einfachere Subtrahieren zuerst angegangen wird. War es aber nicht erschreckend und alarmierend zugleich, dass keiner der Lehrer in der Lage war eine einfache Rechenaufgabe mit „Plus“ und „Geteilt durch“ zu errechnen? Eine Lehrerin zueckte für die Rechenaufgabe sogar ihr Handy, in das sie 10:2 und 100+10 eintippte. Bei der Suche nach einer Antwort stieß ich auf den Fakt, dass die meisten Lehrer entweder etwas völlig anderes unterrichteten als es ihr Studienfach an der Universität war, oder gar nur einen Grundschulabschluss besaßen, wo sie grundfalsches Rechnen erlernt hatten. Ich verwendete anderthalb Stunden darauf dem Direktor einer Privatschule die vier Grundrechenarten und deren Gebrauch beizubringen. Seit vier Jahren wurde hier unterrichtet, dass 100+10:2 = 55 ist, was doch ein gravierender Unterschied zu 100+10:2 = 105 ausmacht. Das ist kein Scherz, sondern bitterer, erbärmlicher Ernst.
In Chainat ist derzeit eines der größten Feste des Jahres ausgebrochen, auf dem die alljährliche Ernte der Pomelos (Art Riesenorange) gefeiert wird. Zu diesem Anlass gibt es natürlich nicht nur Pomelos zu kaufen, sondern eine riesige Bühne auf der Musik gespielt wird und unzählige Fressstände, an denen man von Pizza bis gegrillte Maden und Schaben alles essen kann was das Herz begehrt. Alles was ich bisher probiert habe war einfach super lecker und frisch. Die Käfer, Maden und anderen gerösteten Krabbeltiere konnte ich mir aber noch nicht antun. Ich glaube dazu kann ich mich auch nicht überwinden. Es gibt Dinge die muss man nicht probiert haben. Es reicht, wenn man sie gesehen hat. Ein paradoxes Bild, wenn der Europäer mit seiner Pommesschale neben dem Thai mit einer Tüte gerösteter Küchenschaben steht. Nachdem wir unser Mahl genossen hatten machten wir uns auf den Heimweg, da bedrohlich schwarze Monsunwolken aufzogen.
Die ersten Tropfen ließen wir noch während dem Essen über uns ergehen, bis wir dann zum Auto aufbrachen. Allerdings kamen wir nicht sehr weit, da es aufs extremste anfing zu schütten und wir in einem Stand unterschlupf suchten. Ich nutzte die Gelegenheit gleich mal zum Shoppen mit Wor Ranat und kaufte mir ein Barcelona Trikot, drei Hosen und einen Gürtel. Alles zusammen für knapp 18 Euro. Geduldig warteten wir einige Minuten, bis dann rechts und links einige Glühbirnen knallten, da die Thais ihre Elektrizität nicht isolieren. Binnen Sekunden drängte Khom Khai darauf den Stand sofort zu verlassen. Es bedeutete eindeutig völlig durchnässt am Auto anzukommen.
Unter den Dächern der Fressbuden hatte ich gar nicht gemerkt, wie sich die schwarzen Wolken exakt über uns geschoben hatten und es dunkel wie die Nacht wurde. Ich dachte einen Monsun bereits in voller Kraft erlebt zu haben, sollte aber eines besseren belehrt werden. Anfangs regnete es in Strömen, aber noch so, dass es kontrollierbar war und man es als angenehm kühl empfand. Innerhalb von wenigen Minuten, die wir am Hosenstand verbracht hatten, hatte sich die Lage aber zugespitzt. Plötzlich und mit immenser Geschwindigkeit stieg der Wasserspiegel extrem an und erreichte einen Pegel, der Elektrizitätskästen und andere Elektronik erreichte. An jeder zweiten Ecke funkte und blitzte es. Khom Khai erklärte diese Sicherheitslücken mit dem generellen Spruch: „People Thai do easy before safety“.
Khom Khai musste eine Ahnung gehabt haben was uns gleich blühen würde. Auf dem Weg aus dem Markt stand uns das Wasser teilweise bis an die Hälfte der Waden. Die Knöchel waren völlig in der braunen Suppe versunken. Hier und da schwamm ein Plastikbehälter oder ein paar Hotdogs neben Hähnchenspießen vorbei. Plötzlich machte es neben mir platsch und eine hübsche thailändische Schülerin, vermutlich secondary school, legte sich direkt vor meine Füße. Evtl. hätte sie auch einfach weiterschwimmen können, bevorzugte dann aber noch aufzustehen und weiter zu laufen. Trotz alledem ließ ich mir die Zeit nicht nehmen einige Bilder für meine fotovernarrte Bloggemeinschaft zu schießen. Wir wateten durch die dunkle Brühe und dokumentierten natürlich alles. Trotz blitzender Stromkästen war es wieder einmal ein spaßiges, aufregendes Erlebnis. Zum Ende hin war ich dann aber doch ganz froh, dass Khom Khai so früh die Flucht ergriffen hatte.
Ein kleines Erlebnis, das ich die Tage machte, war nicht weniger aufregend, so dass ich es euch nicht vorenthalten moechte. Khom Khai hatte sich in den Nachbarort verabschiedet um dort irgendeiner Arbeit nachzugehen, was ich nutzte um mich vor dem Fußballtraining etwas auszuruhen. Dazu legte ich mich ca. eine Stunde in die Horizontale auf meine Pro-Dekubitusmatratze und döste mehr oder weniger bequem ein. Als ich aufwachte, dachte ich erst, dass ich noch durchaus in der Zeit wäre, da es noch vermeintlich hell in meinem Zimmer war. Mein Wecker aber sprach eine andere Sprache. Wie konnte um 21 Uhr noch Licht in mein Zimmer scheinen, obwohl es die Tage zuvor schon gegen 19 Uhr stockdunkel geworden war? Ein Blick aus dem Fenster offenbarte mir folgende Aussicht:
Das komplette Gelände um den hinteren Teil der Wannarat stand in Flammen. Mein erst gefasster Gedanke lässt sich mit den Worten „Oh Oh!“ ganz gut beschreiben. Weder Khom Khai noch Wor Ranat waren zugegen und auf dem Balkon des Häuschens stehend betrachtete ich, wie sich die Flammen um den See in Richtung Schule und daher auch meiner Position näherten. Die flammenden Feuersäulen spiegelten sich im stillen Wasser des Sees und irgendwie war so ein vermeintlicher Feldbrand sogar romantisch. Den zweiten Gedanken, den ich nach „Oh Oh“ fasste, war, dass jenes Inferno auch eine kontrollierte Brandrodung des Reißfeldes sein könnte, was sich im Nachhinein dann auch als richtig erwies. Dennoch war es ein kleiner Schock unmittelbar neben einem brennenden Feld aufzuwachen. Im Nachhinein fiel mir dann auch ein, dass es ja auch noch Angestellte gab, die an der Schule zu gegen waren, und somit alles halb so schlimm gewesen waere. Sicher ist, dass ich dieses Erwachen so schnell nicht vergessen werde. Da ziehe ich das Erwachen nebst meiner Ehefrau doch um einiges vor.


Donnerstag, 20. September 2007

Linguale Fettnaepfchen

Mein Thai macht derweil auch schon einige Fortschritte, wobei sich einige linguale Fettnäpfchen natürlich nicht vermeiden lassen. Besonders peinlich wird die Situation, wenn Mr. Pimp ohne Goldkette mal wieder damit prahlt wie gut sein Farang Thai spricht. Tüchtig ermutigt er die Thailänder mich alle Sachen selbst zu fragen, die sie über mich wissen möchten. Grundsätzlich ist das ja eine feine Idee, aber manchmal gehe ich auch voll und ganz im Schwall des thailändischen Fremdvokabulars unter und kann mir nur aus einigen Vokabeln den Sinn zusammenreimen. So war ich mal wieder in Chainat um mir ein paar Hosen für die Schule zu leisten, da ich diesbezüglich nur sehr mager ausgestattet war. Mit dicken Dieseljeans bei 34° vor der Tafel zu stehen ist nicht gerade angenehm. Es musste also ein weiteres paar leichtere, lange Hosen her. Auch im Geschäft stürzte man sich natürlich gleich auf mich und fragte mir allerlei Löcher in den Bauch. Ich hörte Khom Khai schon wieder mit „keng mak“ (=großartig) schwärmen. Kurz darauf wurde ich dann auch gleich gefragt wie lange ich denn schon in Thailand sei, verstand aber etwas mit „lernen“ und „Thai“ und antwortete demnach mal spontan: „Ich habe Thai in Deutschland angefangen zu lernen und benutze dazu Bücher und CDs mit denen ich Schreiben und Lesen lerne“. Die hochgezogene Augenbraue der Verkäuferin und ein wohl eher ironisches „khao phut keng mak“ (= er spricht wirklich großartig) verriet mir, dass sie wohl etwas anderes gefragt hatte. Es blieb mir nur ein verschämtes Lächeln. Wenig später fragte mich der Chef des Ladens während er meine Hosen bügelte, ob ich denn schon eine Thaifrau gefunden hätte, was ich wieder einmal völlig missverstand und mit: „Ja, ich mag diese Hosen sehr“, antwortete. Dann schritt Khom Khai aber doch ein und übersetzte die Frage nach meiner Partnerin in einfacheres Thai, worauf ich dann auch antworten konnte.
Irgendwie erinnerte mich das Szenario stark an die Paulaner Fernsehwerbung, die vor ca. 3-4 Jahren gesendet wurde. Dort bestellte eine Gruppe Chinesen bei der Biergartenbedienung mit Hilfe des Wörterbuchs 5 Paulaner und äußerten sich mit: „Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen“. Dennoch bekamen sie genauso ihr Bier wie ich meine Hose.
Alles in allem ein riesen Spaß für die Thais und ziemlich peinlich für mich.

Zwischendurch holte mich immer mal wieder die Thaiflexibilität ein. So fuhr ich am Wochenende wieder nach Singburi zu Patrick und seiner Frau, um das neue System vorzustellen. Patricks Frau Aea, hatte mit mir verabredet am kommenden Samstag samt Papieren bei der Polizei anzutreten und anschließend die Präsentation über das neue System zu halten. Wie verabredet stand ich also abends auf der Matte und freute mich, dass auch Patrick anwesend war. Nach kurzem Smalltalk stellte sich dann heraus, dass man gar nicht mit mir gerechnet hatte. Den morgigen Tag sei man schon völlig verplant und auch Aea konnte sich an keine Verabredung mehr erinnern. Man hatte mich de Facto einfach vergessen. So fuhr ich mit Sack und Pack wieder nach Hause und ließ mich auf Dienstag vertrösten. Zeit habe ich ja in Thailand relativ gesehen genug und die Spritkosten bekomme ich ohnehin erstattet. Dennoch trieb mich mein deutsches Herz wieder dazu etwas schneller zu Hause sein zu wollen um euch noch einige Zeilen zu hinterlassen, so dass ich eine vermeintliche Abkürzung fuhr. Nach und nach fiel mir auf, dass ich markante Punkte der Strecke auf der Hinfahrt nicht erkannt hatte, bis ich dann nach ca. einer Stunde fluchend wieder an meinem Ausgangspunkt ankam und mich für den normalen Weg entschied.
Einige Tage später überraschte mich Khom Khai mit einem Auto. Er hatte es seiner Aussage nach extra für mich gekauft, damit ich nicht immer mit dem alten Schrottbus herumfahren müsse. Und er hatte mir in der Tat ein Auto gekauft. Ein roter Toyota Pickup, unwesentlich jünger als der Bus, aber definitiv mit mehr Features. So ist es nun ein 2,4L Diesel, mit Servolenkung, Klimaanlage und vollen 5 Gängen. Das ist schon mal ein großer Fortschritt zum letzten Modell. Vermutlich wird dieses Gefährt mich und Andrea dann auch zur kambodschanischen Grenze bringen. Zwar prangen 247.000km auf dem Kilometerzähler, aber: Never stop a running Diesel!
Es folgte der besagte Dienstag an dem ich zur Polizei geladen war und auch nicht vergessen wurde. Khom Khai begleitete mich dort hin, so dass wir uns kurz nach zehn auf der dortigen Polizeistation einfanden, wo ich meine Aussage machte. Natürlich dachte ich gleich daran, dass ich euch davon berichten muss, und einige wieder über zuwenig Fotos klagen werden. Daher überwand ich mich einfach einen Polizisten am Nachbartisch zu fragen, ob er schnell ein Foto von uns machen könnte. Und bitte sehr hier ist es, nur für euch:
Nachdem ich nach sämtlichen persönlichen Daten gefragt wurde und sogar Name und Beruf meiner Eltern preisgeben sollte musste ich noch schnell ein Papier unterzeichnen, dass mir von Khom Khai und Aea übersetzt wurde. Einiges konnte ich sogar selbst nachvollziehen. Dann kam der Angeklagte in den Raum und wurde zu uns an den Tisch gebeten. Mick hatte ich schon als Koordinator in der Introduction week kennengelernt und wusste daher wer er war. Mit Tränen in den Augen und zitternd wurde er zum Dialog mit den Schulen gebeten. Man sah ihm wirklich an, dass er Angst hatte. Wir alle beruhigten ihn aber mit dem Fakt, dass wir bereits ein Papier unterzeichnet hatten, dass ihn nicht in den Knast bringen würde. Da die Polizei in Thailand für jedes neue Vergehen zählt und nicht einen sich wiederholenden Tatbestand annimmt, hätten auf die Veruntreuung der Gelder zwanzig Jahre Haft gestanden. Da wäre ich an seiner Stelle vermutlich in der gleichen Verfassung gewesen. Seinen Job hatte Mick bereits vor dem Gang zur Polizei gekündigt bekommen, so dass er formal nicht mehr zu Greenway gehörte. Das war für die Schulen nicht ganz so geschickt eingefädelt, da sich Patrick und Greenway nun ganz ausdrücklich und mehr oder weniger rechtens von jeglichen Schulden an die Schulen distanzierte. Das Geld wäre ausgezahlt gewesen, so Greenway, und wenn der Koordinator das Geld nicht weitergibt, wäre es ja die Sache der Schulen mit Mick, dem Koordinator, zu verhandeln. Greenway sei da aus der Sache schon raus. Da Patrick unter anderem auch angab Jura studiert zu haben, sollte er doch eigentlich wissen, dass die Ansprüche an die Organisation geltend gemacht werden können. Denn was konnten die Schulen dafür, dass Greenway unfähig war ein transparentes System zu entwickeln, dass die Gelder sicher zu den Projekten bringt? Es kann natürlich auch sein, dass ich mich diesbezüglich irre und die Rechtslage eine völlig andere ist. Aber zumindest wäre das meine persönliche Einstellung dazu. Sollte ich mich irren, bitte ich korrigiert zu werden. Und einem nackten Mann das Hemd zu nehmen ist für die Schulen natürlich auch nicht leicht. Mick gab natürlich bei den Schulen an kaum Geld zu haben, zückte allerdings ein recht teures Nokiahandy und fuhr ein eigenes Auto. Aus Erbarmen und Gnade und einer gehörigen Portion thailändischer Dämlichkeit einigten sich die Direktoren der Schulen mit Mick auf 20.000 Baht. Wir hatten schon extra nur zwei von 18 Projekten auseinander genommen und Mick den Freischein bezüglich des Gefängnisses unterschrieben. Und von den eingeklagten Schulden, die etwa 100.000 Baht betrugen, sollten lediglich 20.000 Baht gezahlt werden? Selbst der Polizeicaptain der die Verhandlung führte konnte es sich nicht verkneifen Mick klar zu machen wie viel Glück er eigentlich habe. Mir war es auch nicht daran gelegen Mick einfahren zu lassen, was ein Leichtes gewesen wäre, aber ich hätte zumindest ein Exempel statuiert, indem ich Mick zumindest noch sein Auto genommen hätte, was er vermutlich von den veruntreuten Geldern gekauft hatte. Auch Patrick war sehr unzufrieden damit wie es gelaufen war. Aber an dieser Stelle muss man einfach sagen, dass sich Patrick ins eigene Fleisch geschnitten hat. Hätte er selbst als Organisation, deren Gelder veruntreut wurden, die Gelder von Mick eingefordert, hätte er sie vermutlich bekommen. Zumindest mal sein Auto hätte man verkaufen können. Den Stress wollte er sich vermutlich aber nicht geben und ließ die Schulen direkt mit Mick verhandeln. Dabei war es abzusehen, dass dort thailändische Deals laufen würden. So sehr ich auch auf Khom Khai einredete konnte ich ihn nicht davon überzeugen die volle Summe einzufordern. Er argumentierte damit, dass er Mick dann niemals mehr mit reinem Gewissen unter die Augen treten könne. Das Geld wurde auch nur auf mehrmalige Aufforderung vor meinen Augen an Khom Khai ausgezahlt. Die Wijitsueksaschule ging an diesem Tag leer aus und ließ sich von Mick auf nächste Woche vertrösten. Ich glaube kaum, dass Mick zahlen wird. Ich gebe mich einfach mit dem Erfolg zufrieden, dass ich das alles entdeckt habe, die Organisation gesäubert und mit einem neuen System versorgt habe und immerhin 20.000 plus 10.000 Baht, die zuvor als Art Bestechungsgeld von Mick überwiesen worden waren, für Wannarat zurückgewinnen konnte. Ich hätte mehr bewegen können, aber dann hätte man mehr auf mich und meine Vorschläge eingehen müssen und nicht stets bequem an andere delegieren sollen.
Nachdem wir unser Gespräch bei der Polizei beendet hatten und der Fall bis auf die Bezahlung vom Tisch war, luden wir den Polizeimann mit seiner Freundin und Mick mit seiner Frau zum Essen ein. Ich konnte mit Mick ganz normal umgehen und dieser sah auch ein, dass er da richtig etwas verbockt hatte. Ich fragte ihn nach neuen Jobaussichten und anderen Dingen, so dass wir noch Emailadressen und Telefonnummern austauschten. Khom Khai war es absolut wichtig, durch die Milderung der Strafe einen guten Eindruck bei Mick zu hinterlassen und ihm stets positiv unter die Augen treten zu können. Mir wäre das Geld und das statuierte Exempel zwar wichtiger gewesen, konnte mich aber auch freuen, dass ich und Mick weiterhin ein neutrales, wenn nicht sogar freundschaftliches Verhältnis führen können.
Anschließend führte ich noch mein neu entwickeltes System ein und gab somit Anstoß für einige Umstrukturierungen bzw. Erweiterungen innerhalb der Organisation. Patrick dankte mir für die Arbeit, versprach mir ein positives Arbeitszeugnis und drückte mir als Dank eine exotische Teesorte aus China in einem edlen Karton in die Hand. Dann machte ich mich auf meinen Gastvater von der Schule seines Freundes abzuholen. Allerdings quietschte mein neues, altes Auto ganz fürchterlich, sobald der Motor lief. Eine Drehscheibe der Klimaanlage, die per Keilriemen mit dem Motor verbunden ist, rotierte nicht mehr, so dass der Keilriemen quitschend über die Zahnräder rutschte. Weiterhin war es plötzlich nicht mehr möglich einen Gang einzulegen, so dass ich es zwar mit Gewalt einige Kilometer weit schaffte, dann aber doch an der Straße liegen blieb und Khom Khai über den Ausfall des neuen Gefährts informieren musste. Bis dieser mich an der Straßenseite auffand genehmigte ich mir eine kühle Cola von einem Straßenstand und genoss die Abendsonne. Kurz nachdem der mechanisch begabte Khom Khai eintraf, hatte er den Fehler auch direkt erkannt. So konnte die hydraulische Kupplung nicht mehr funktionieren, da die Leitungen etwas verstopfte und zudem noch ein Ölleck vorzufinden war. Mit etwas Bremsflüssigkeit halfen wir der leeren Leitung nach und konnte es so nach Chainat machen, wo wir auch direkt eine Werkstatt aufsuchten.
Als wir dort ankamen legten alle Mitarbeiter sofort die Arbeit nieder und eilten zu Khom Khais Auto. Anscheinend ist sein sozialer Rang doch immens hoch. Das exakt gleiche Szenario hatte ich schon einen Tag zuvor erlebt, als wir den Unterboden des Pickups neu lackieren ließen. Einige unschöne Roststellen und Lochfraß an einigen Stellen stechen den ästhetischen Thais natürlich ins Auge. Das ganze aber professionell auszutauschen wäre aber natürlich zu teuer, weswegen man einfach überlackiert. Das tut man natürlich nicht mir teurem Rostlack oder etwas dergleichen, sondern mit gewöhnlicher Spritzfarbe. Hauptsache es sieht gut aus. Wir werden sehen wie weit uns die Kiste noch bringt.
Die Werkstatt flickte gleich das Leck und wechselte das Öl der Kupplung und weil sie schon gerade dabei waren auch das Motoröl. Kosten für Service und Material liegen hier bei ca. 7 Euro. Nur an die Kosten der Umwelt denkt hier niemand. Der gesamte Ölwechsel wird einfach auf dem Asphalt durchgezogen ohne eine Bütte oder ähnliches darunter zu legen. So läuft das gesamte Altöl erst über den Asphalt und versickert dann irgendwo in der Erde. Ebenso fährt man lieber 100m mit dem Roller zur Wechselgeldstation als diese Strecke zu laufen. Und 100m bis zur Tanke sind wirklich nicht übertrieben wie man auf dem Bild sehen kann.
Ach ja, und so sieht mein neues Gefährt übrigens aus:

Es bestuende allerdings auch die Moeglichkeit, dass Andrea mit einem nagelneuen Toyota Pickup in Silber fahren wuerden, den Khom Khai erst vor kurzem geleast hat (mir fielen kuerzlich die Leasingpapiere in die Finger, die neuen Autos sind nicht gekauft). Allerdings stuende man dann vor der Tatsache, dass man staendig auf das Auto acht geben muesste. In Thailand braucht es ca. 5-10 Minuten bis ein nagelneues Auto geknackt und weggefahren wurde. Und das passiert dementsprechend auch sehr haeufig. Man ist also mit einer Rostlaube wesentlich besser bedient als mit einem neuen Auto, es sei denn man hat immer einen sicheren Stellplatz.

Am Wochende gibt es dann den vorerst letzten Blog fuer eine geraume Zeit, da ich die Zeit mit meiner zwangsverheirateten Ehefrau ganz entspannt und intensiv geniessen moechte. Dafuer kann ich aber jetzt schon versprechen, dass der naechste Blogeintrag wieder ein sehr amuesanter wird.

Liebe Gruesse aus dem Land des vorgetaeuschten Laechelns ;)

Samstag, 15. September 2007

Nimm das Leben nicht zu ernst, du kommst da eh nicht lebend raus

Meine Schuelerinnen sind ja, wie ihr schon auf den ersten Bildern gesehen habt, total goldig und zum einpacken. Seitdem ich der Vater böser HÜ-Überraschungen geworden bin, hängen zwar nur noch halb so viel Schüler an meinen Armen, wenn ich auf dem Weg zum Mittagessen bin, aber schließlich werden sie so zum Lernen gezwungen. Einige andere Schüler und besonders die Schülerinnen sind jedoch nach wie vor von mir begeistert und schenken mir allerlei Kleinigkeiten vom Kaugummi über ein Kunstgemälde bis hin zu einem Ring. Man könnte annehmen, dass es sich bei jenem Ring um einen Plastikring aus dem hier nicht vorhandenen Kaugummiautomaten handelt, was aber ganz im Gegenteil nicht der Fall ist. Ein echter, massiver Edelstahlring wurde mir da unter die Nase gehalten, gepaart mit der strikten Anordnung ihn gleich anzuziehen. Mein erster Gedanke war, dass die kleine Kik diesen Ring wahrscheinlich aus der Schmuckkiste ihrer Mutter gemopst hatte und es keine gute Idee wäre den Ring anzunehmen, hatte aber keine Wahl. So sehr ich auch ablehnte und mich versuchte zu entfernen, desto mehr klebte sie an meinem Bein. Sie versprach mir den Ring nirgendwo weggenommen zu haben, so dass ich ihn dann zwar etwas zögerlich aber doch annahm. Seitdem ziert der Ring meine Halskette und macht sich rein optisch auch ganz gut. Ich bedankte mich vielmals und revangierte mich mit einem Eis. Nicht wirklich der entsprechende Gegenwert, aber immerhin etwas. Einige Tage später stellte sich dann heraus zu welchem Szenario der Ring gehörte. Als ich auf dem Weg ins Haus auf mein geliebtes Sofa war und gerade die Türschwelle überschritten hatte, bemerkte ich einen kleinen Umschlag mit der Aufschrift Phil. Im Innern des Umschlags offenbarte sich dann ihre Vision. Hatte sich die Kleine, die gerade mal halb so groß ist wie ich, jetzt wirklich in mich verliebt oder war das alles nur Spaß, wie angenommen? Einerseits gerat ich ziemlich ins Grübeln, aber andererseits musste ich auch herzlich über die Darstellung lachen. So hatte sich die kleine Kik (werde versuchen ein Foto von ihr zu machen) auf dem Papier in eine große, kurvenreiche, europäische Frau in Kleid auf Stoeckelschuhen verwandelt; während mir ein unverkennbarer Schielblick aufgesetzt wurde. Besonders bemerkenswert finde ich auch meine wunderschönen Absatzschuhe. Die kleine Kuk, die wohl unser gemeinsames Kind darstellen soll, ist dann die Mischung aus beiden, die auch Stöckelschuhe trägt. Daraus lässt sich ableiten: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass das Stockelschuhgen homozygot dominant vererbt wird.
Aber es sollte noch dicker kommen als ich den Lehrern, die schon eine ganze Zeit nach Bildern von meiner „Ehefrau“ gelechzt hatten, einige Bilder im Computerraum präsentierte. Da Andrea auf den Bildern mit ihrem Pferd Hjalti einen äußerst eleganten Eindruck machte, waren alle Lehrer und Sekretärinnen begeistert und gratulierten mir zu dem hervorragenden Fang. Nur eine Schülerin der 6. und somit ältesten Jahrgangsstufe an der Schule, die von ihrer Statur auch schon eher an ein Teenie als an ein Kind erinnert, hatte sich zu der Menge mit ihren Freundinnen dazu geschlichen. Als ich dann auf ihre Frage wer das sei bekannt gab, dass dies meine Ehefrau sei, bekam ich einen nicht all zu seichten Schlag auf die Schulter und sah sie laut stapfend mit gesenktem Haupt den Raum verlassen. Die folgenden Tage antwortete sie nicht einmal mehr wenn ich sie aufrief. Mittlerweile hat sich die Situation aber schon wieder gebessert, wenn nicht sogar ganz neutralisiert.
Am Wochenende hatte ich mich dann wieder in Singburi eingefunden wo ich auch meinen eigenen Koordinator der Einführungwoche wieder traf. Vielleicht erkennt ihr Chan ja auch wieder. Nach getaner Arbeit gingen wir gemeinsam ins Staffhouse und plauderten gemütlich bei einem Bier und gewohnt kitschigem Thai-TV über Greenway und die anderen Freiwilligen. Leider konnte ich nicht all zu lange bleiben, da ich ja am nächsten Morgen schon wieder früh raus wollte um weiter zu arbeiten. Als ich dann zurück in meinem Appartement beim Office war, überreichte mir eine Mitarbeiterin gleich ein Telefon, an dessen anderen Ende Khom Khais Stimme erklang um mir mitzuteilen, dass ich morgen bei den VIP Chainat spielen sollte. Ich dachte erst kurz nach, was jetzt wohl die höhere Priorität hätte, entschied mich dann aber ganz spontan der Thaimentalität nach für die Sabbai-Alternative: trotz allem einfach Fußball spielen zu gehen. Ganz flexibel ließ ich also fünfe mal gerade sein und ließ meinen Papierberg einfach auf meinem Schreibtisch übernachten, während ich am nächsten Tag zurück nach Chainat fuhr. Endlich war ich mal nicht derjenige, der unter der Thai Flexibilität litt, sondern sie auch mal selbst nutzte. Khom Khai legte mir nahe unbedingt vor 12 an der Schule sein zu müssen, wenn ich denn spielen wollte. Ich schloss daraus, dass uns ein Freund um 12 Uhr abholen würde.
Ich hatte extra pünktlich meine Arbeit beendet um gut vor zwölf da zu sein, traf aber, wie hätte es anders sein können, niemand an der Schule an, so dass ich per Telefon nachfragte. Khom Khai hatte noch in der Stadt zu tun, und der Transfer ging um 2 Uhr, anstatt um 12. Khom Khai meinte, dass ich ja jetzt dank ihm Zeit zum relaxen hätte, während ich ihn in Grund und Boden verfluchte, da ich ja meine Arbeit, die ich in dieser Zeit nicht tun konnte, weiterhin auf meinem Schreibtisch warten würde.
Gegen halb drei traf dann auch der Fahrer ein und wir fuhren aber erstmal gemächlich zum Haus der Repräsentanten von Chainat, um uns dort bei nettem Plausch einen Café zu genehmigen. Diesmal war auch Yen, der arme Schneider, als Aushilfsspieler dabei, da nicht alle VIPs auflaufen konnten.
Es war kurz vor drei, als ich nachfragte, wann das Spiel denn beginne. Die Antwort: Um drei. Mehr als Kopfschütteln konnte ich nicht mehr. Gegen viertel vor vier, bogen wir in eine Tempelanlage ab und fragten uns zum Fußballplatz durch.
Natürlich ging das keineswegs ohne kurz für zehn Minuten einige Räucherstäbchen zu entzünden und die Gelegenheit im Tempel zu nutzen für ein bisschen Glück zu zahlen. Als wir uns gegen vier Uhr dem Platz näherten traute ich meinen Augen kaum. Ich hatte große Lautsprecher, Kommentator etc. erwartet, fand aber ausschließlich einen Acker vor, der nur noch sehr schwach an ein Fußballfeld erinnerte. Als auch der Rest des Teams eintraf bestand kein Zweifel mehr daran, dass dies der tatsächliche Platz sei. Unbespielbar. In der Mitte des Platzes wuchs ein kleiner Baum aus dem Boden
während die Tore reine Metallstangen ohne Netze waren. Einige tiefe Risse im Boden und aufgeschüttete Erde, erinnerten mehr an ein Militärübungs- als an ein Fußballplatz. Zwar gab es Pavillion und Stühle, die aber unberührt, aufeinander gestapelt unter dem Pavillion versandeten. In meinem deutschen Arbeitsdrang verfluchte ich alles was mit der momentanen Situation zusammenhing, ohne aber auch nur ein Wort zu äußern. Khom Khai fand das zum Brüllen komisch und schlug vor doch auf den Bäumen zu spielen. Was ich ganz und gar nicht zum Lachen fand.
Die Situation konnte für die Thais aber dadurch gerettet werden, dass einer der VIPs zum nächsten Popcornstand fuhr und für alle Popcorn besorgte. Ja, da hatte wohl jemand vergessen jemanden zu informieren den Platz herzurichten oder gar die Gegenmannschaft über das Spiel zu informieren. Naja nicht so schlimm, man hatte ja immerhin Popcorn. Und Essen ist natürlich immer „Sabbai“ (Bequemlichkeit und Wohlgefallen) bei den Thais. Nur mit einer „Mir-kann-alles-egal-sein-Einstellung“ gelang es mir Ruhe zu bewahren. Richtig dämlich wurde es dann, als der Sprecher am Mikrophon des Tempelfestes auf das bevorstehende Fußballspiel hinwies, dass er dann fünf Minuten später wieder absagte, da wir das Spielfeld verließen. Nach einigen Telefonanrufen hatte man eine andere Gegenspielmannschaft animiert gegen die VIPs anzutreten. Keine VIP Mannschaft, sondern eine reguläre, lokale Ligamannschaft. Wir wechselten zu einem
Anderen Platz, der schon besser aussah und wo es sogar Netze gab, die jemand kurzerhand an den Toren befestigte. Einen Schiedsrichter trieb man kurzerhand auch noch auf. Das einzige was fehlte waren Spiellinien, die man nicht ziehen konnte, da irgendwie Kreidepulver fehlte. Wie sollte das also funktionieren? Einfache Lösung: Denk dir die Linie! Ich dachte ich höre nicht richtig. Ein mehr oder weniger professionelles Fußballspiel ohne Außenlinien oder gar Anstoßpunkt? Ohne Elfmeterraum?
Naja, Hauptsache wir kamen irgendwann überhaupt zum Spielen. Immer noch besser als gar nicht spielen. Gegen 6:00 Uhr (ich war für 12 einbestellt, wohlgemerkt) ging es dann endlich los und bereits nach den ersten beiden Minuten kämpfte ich mich in den gegnerischen Strafraum vor und erzielte das 1:0 mit einem klassischen tief geschobenen Ball. Aber es dauerte nicht lange, bis die körperlich und konditionell stark überlegene Ligamannschaft nachlegte. Nach zehn Minuten Aktion, in denen ich immer wieder lange Laufduelle bestritt war die Puste aus. Ende Gelände. Da ich fast einen Monat keinen Ball mehr getreten und nicht mehr trainiert hatte, da es den Thais ja zuwider war bei Regenwahrscheinlichkeit auf den Trainingsplatz zu gehen, ging die Kondition ging gegen Null, so dass ich nur noch hinterher trottete. Die warmfeuchte Luft tat ihr übriges und brachte mich an den Rand des Kollaps.
Dennoch rang ich mich immer wieder in den Zweikämpfen und kämpfte soweit es physisch möglich war um jeden Ball. Leider spielte die Ligamannschaft, evtl. auch da ein Leihe den Referry abgab, wesentlich härter als die Mannschaften, gegen die wir zuvor gespielt hatten. Wie schon in den frühen Fußballzeiten wurde mir als schnellem Stürmer also immer wieder die Haxen weggetreten, ohne den Ball gespielt zu haben. So steigerten sich die Zweikämpfe über Zerren am Trikot und Halten am Arm bis zu einem Kopfballduell, indem ich mich von meinem Gegenspieler losriss und ihm im Sprung mit meinem Ellenbogen eine blutige Lippe schlug. Keine Absicht, sondern eine Folge des immer härter werdenden Spiellevels, dass keineswegs durch den Schiri kontrolliert geschweige denn gezähmt wurde. Natürlich entschuldigte ich mich vielmals und half meinem Gegenspieler auf. Dieser aber nahm es leider weniger sportlich fair und trat mir beim anschließenden Laufduell, bei dem ich den Ball als erster erreichte und weiter sprintete schlichtweg mit gestrecktem Bein in die Waden, was mich schmerzvoll zu Boden gleiten ließ. Auf dem teils sehr sandigen und harten Boden ließ ich recht große Flächen meiner Haut von Armen, Ellenbogen und Knien zurück. Natürlich brannte und blutete es, aber ich dachte, dass es schon nicht so schlimm sein würde, so dass ich weiterspielte. Nach der Vorlage zum 2:1 war dann mit Kondition und Verletzung aber wirklich Schluss, so dass ich keine Nennenswerte Aktion mehr präsentieren konnte.
Am Ende verloren die VIPs knapp mit 5:6. Ich hatte noch einige Chancen, die ich vielleicht mit besserer Kondition hätte verwandeln können. An diesem Tag sollte es mir aber nicht gegönnt sein. Nach 60 Minuten (2x30min in Thailand) verließ ich, dem Kreislaufkollaps nahe, das Spielfeld. Unter der Dusche erkannte ich dann erst das Ausmaß meiner Abschürfungen, die unter dem Wasser ziemlich brannten. Es brauchte knapp zwei Wochen, bis die Wunden wieder verheilt waren. Nun gilt es die weißen Flecken an Armen und Beinen wieder nachzubräunen. Zum Schluss übergab man sich noch zwei Gastgeschenke. In Europa tut man das in der Regel vor dem Spiel, indem man die Wimpel der Vereine als Gastgeschenk aushändigt.
Dieser Stofffetzen ist für Thailand natürlich nicht pompös genug, weshalb man sich zum Ende große, goldene Plastikpokale überreicht, während von dieser Geste Fotos gemacht werden. Eine Mannschaft bringt die riesen Billigdinger mit und nimmt sie nach dem Foto auch wieder mit nach Hause. So sehr man auch meinte die Thais annähernd zu verstehen, so sehr überraschen sie uns doch immer wieder mit einer neuen Dimension der Flexibilität und vermeintlicher Lächerlichkeit. Allerdings darf man das keinesfalls abwertend sehen, da die Thais einfach so sind und sie einfach ihrer Kultur entsprechen. Uns deutschen würde all das so nie in den Sinn kommen, aber hier in Thailand ist das ganz alltäglich. Das nichts funktioniert wie geplant ist, ist genauso Alltag wie die pompösen Goldplastikpokale als Wimpelersatz, die aber nicht mit nach Hause genommen werden dürfen.
Am allerschlimmsten aber war das versaute Trikot, das ich ja eigens wieder ohne technische Hilfsmittel rein waschen musste. So schrubbte und schrubbte ich am Waschbrett, bis es wieder einigermaßen brauchbar aussah.

An der Wannarat geht es weiter wie bisher und wie schon fast gewohnt, verlangte die Stimme Khom Khais unüberhörbar und dringlich aus der Sprechanlage nach einigen Schülern aus meiner Klasse. Mein Unterricht war mal wieder gelaufen, aber mittlerweile sehe ich das positiv, da ich dann für das nächste Mal nichts vorbereiten muss. Diesmal ging es darum den „Elternsprechtag“ vorzubereiten, der für den kommenden Tag geplant war. Für mich durchaus paradox, da mir doch erklärt wurde, dass sich die Eltern nicht für die schulischen Leistungen ihrer Kinder interessieren. Warum dann ein Elternsprechtag?
Allerdings wurde mir dann am Tag des Events klar wie es sich verhaelt: Einige Stühle wurden für die Eltern bereitgestellt und ein Pult mit schönen Blumen und dickem Lederchefsessel für Khom Khai herausgeräumt und vor der Stuhlansammlung platziert. In Deutschland läuft ein Elternsprechtag ja so ab, dass die Eltern mit den Lehrern sprechen können, daher ja auch ElternSPRECHtag. Das hiesige Event ähnelte allerdings eher einem Diktat, da Khom Khai vor die 40 Elternteile (von 650 Schülern) trat, einen 45 minütigen Monolog darüber hielt wie erfolgreich diese Schule im Vergleich zu allen anderen sei und anschließend wieder ins Büro zurückkehrte. Kein Wunder, dass zu diesem Sprechtag nicht mehr Leute erscheinen. Aber in der Tat spiegelt die Menge der anwesenden Elternteile die Verantwortung für die Kinder wieder. Ist das Kind nicht gut in der Schule macht das ja auch nichts. Selbst ein Autist bekommt nach sechs Jahren physikalischer Anwesenheit das gleiche Zeugnis wie ein hyperintelligenter Streber. Khom Khai würde die faulen, nicht zu verwechseln mit den dummen, zwar gerne rausschmeißen oder zumindest sitzen bleiben lassen, was das thailändische Bildungsgesetz aber nicht zulässt. Damit könnte er sogar ins Gefängnis einfahren. Verrückt oder?

Donnerstag, 13. September 2007

Aufklaerungsarbeit

So liebe Blogleser. Langsam naehern wir uns dem aktuellen Geschehen und in diesem Blog sollt ihr auch endlich den Grund für meine verspäteten Blogeintraege erfahren. Wie ihr ja schon wisst, habe ich mit einem meiner vergangenen Blogeintraege mächtig für Aufruhr gesorgt gehabt, da ich zwei Freiwilligendienstorganisationen offiziell der Geldveruntreuung bezichtigt hatte. Grund dafür war, dass mir von beiden Seiten aus keine detaillierte Auskunft über den Verbleib der von mir bezahlten Gelder gegeben wurde. Anstattdessen hatte man mir auf der einen Seite gar nicht mehr geantwortet und auf der anderen blockte man mich mit vorgeschobenem Unwissen ab. Als die Situation dann kurzfristig eskalierte und die Geschäftsführer der Organisationen in persönlichen Emailkontakt mit mir traten, hatte ich das erreicht, was ich bezweckt hatte. Endlich hatte ich die Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Die Geschäftsführerin von Experiment e.V. (der deutschen Organisation) , und das möchte ich noch mal ganz eindeutig betonen, hat sehr intensiv und offen mit mir über die Blogeintraege und meine Vermutungen diskutiert. Emails über mehrere Seiten waren dabei keine Seltenheit. Sie war es auch, die den Geschäftsführer von Greenway (die Organisation vor Ort) dazu animierte der Sache nachzugehen. Die Situation hatte sich also auf Seiten Experiments von einer Abwehrstellung zu einer Kooperation entwickelt, wofür ich mehr als dankbar war. Greenway jedoch war immer noch der Annahme, dass ich schwindeln würde und der Organisation aus welchen Gründen auch immer ein schlechtes Image auferlegen wollte. Daher entschloss sich der Geschäftsführer direkt nach seinem Heimaturlaub in Holland mir einen Besuch an der Wannarat abzustatten. Im Falle, dass ich wirklich lügen würde, hätte sogar mir oder / und Khom Khai der Rausschmiss aus dem Programm Greenways gedroht, so erzählte mir der große Holländer, der an einem Tag unter der Woche plötzlich mit seiner thailändischen Frau in der Tür stand. Aber ganz wider erwarten wurden mir nicht für meine publizierten Informationen die Leviten gelesen, sondern mir sogar zu meiner großartigen Leistung gratuliert. Erst begriff ich gar nicht was los wahr, da ich eine völlig andere Reaktion erwartet hatte, bis die gesamte Situation dann am Konferenztisch mit Khom Khai und unseren beiden Gegenüber offenbart wurde. So hatte mich der Geschäftsführer schon an einem anderen Ort gesucht, wohin auch das Geld geflossen war, fand mich dort aber natürlich nicht auf. Auch die zweite Transaktion ging an einen Ort, an dem ich nicht zu finden war, was ihn natürlich dann auch stutzig machte. Wie er erzählte war es gar nicht so einfach meinen Standort ausfindig zu machen, da die gesamten Listen der Organisation gefälschte Aufenthaltsorte angaben. Jetzt war auch klar, warum man davon ausging, dass ich geschwindelt hatte. Das Geld wurde tatsächlich überwiesen, allerdings an gefälschte Adressen, von dessen Bankkonten das Geld dann später wieder abgehoben wurde und zum Konto des Veruntreuenden transferiert wurde. Zwar waren es auch bekannte Projekte wohin das Geld floss, die das Geld aber nicht behalten durften. Der veruntreuende Koordinator revanchierte sich mit einem überproportionalen Zufluss an Freiwilligen, die ja neben ihrem Arbeitseinsatz auch wieder Geld für das Projekt bringen. Es war also doch, wie von mir vermutet, der Wurm in der Organisation, wobei ich offen zugeben muss, dass ich manchesmal auch Khom Khai verdächtigte das Geld einzustecken, um noch mehr Geld von den Freiwilligen zu bekommen. Sozusagen ein Mitleidsbonus. Aber das wollte ich nicht glauben und lag damit auch Gott sei dank falsch. Auch habe ich diese Idee nie laut ausgesprochen. Bei einem äußerst leckeren Abendessen mit Riesengarnelen und allerlei anderer kostspieligen Leckereien wurde dann das weitere Vorgehen besprochen. Patrick, der Geschäftsführer, bat mich mehr über diese ganze Sache herauszufinden, da er vermutete mit meinem Fall nur den Gipfel des Eisbergs erkannt zu haben. Sicherlich gäbe es noch mehr herauszufinden. Anschließend solle ich ein neues System für die Organisation entwickeln, die eine solche Veruntreuungsaffäre in Zukunft nahezu unmöglich macht und das Sicherheitsloch stopft. Mir würde unbegrenzte Akteneinsicht, Unterkunft, Verpflegung, sowie Spesen für Sprit etc. und ein Fahrer sowie ausreichender Schutz natürlich gestellt werden. Ich dachte längere Zeit über meine Entscheidung nach und berücksichtigte dabei auch, dass ich mir durch meine Aufklärungsarbeit sicherlich nicht nur Freunde gemacht hatte und zu diesem Zeitpunkt ja nicht mal wusste wie viele Personen da wirklich mit drin steckten. Vielleicht hatte ich in ein kriminelles Netzwerk der Mafia gestochen, ich wusste es nicht. Auf der anderen Seite wollte ich auch die Chance wahrnehmen mit 20 Jahren das erste größere Unternehmen reformieren zu können und für tatsächliche Aufklärung zu sorgen. Immerhin ging es auch um das Geld für Weisenkinder, Schulen und Tempel. Also durchaus Gelder auf die nicht so einfach verzichtet werden kann. Khom Khai, meine Familie und einige andere warnten mich davor sich durch die Papierberge im Büro Greenways zu kämpfen. Als ich den Entschluss fasste nach Singburi zu fahren, um den Job anzunehmen und damit meine 7 Arbeitstagewoche perfekt zu machen, hatte ich keine Ahnung, dass ich durch meine Arbeit die Existenz von fünf Thailändern ernsthaft bedrohen würde. Die ersten Tage verbrachte ich fluchend damit mich durch das Dokumentationssystem von Greenway zu kämpfen.
Keine wirklich klaren Angaben über Verbleib und Dauer der Freiwilligen machte es dem betreffenden Koordinator, der in einer Schlüsselposition zwischen Greenway und den Projekten eingesetzt war, denkbar einfach das Geld in die eigene Tasche fließen zu lassen. Schon die ersten Stunden, die ich mit der Accountingdame Ning verbrachte offenbarten mir, auf was ich mich da eingelassen hatte. 18 mögliche Projekte, bei denen Betrug vorliegen könnte, minimale, lückenhafte Dokumentation und ein Zeitdruck bis zum ersten Montag des nächsten Monats, an dem die neuen Freiwilligen eintreffen würden, machten das Desaster perfekt. Das Zeitfenster einzuhalten schien für mich von vornherein unmöglich, so dass ich diesen Faktor von vornherein ausschloss. Zudem wurde mir ja auch kein Cent dafür bezahlt, weshalb sollte ich mich also noch mehr abrackern als ich es sowieso schon tat?! Nun war es meine Aufgabe die Projekte anzufahren

und dort nach Listen mit nachweisen über die Freiwilligen zu suchen und diese Listen dann mit den gefälschten Listen von Greenway abzugleichen. So konnte ich sehen welche Aufenthalte gefälscht waren und wohin das Geld eigentlich gehörte. Zwar gab es Listen, mit denen die Gastfamilien und die Projekte den Geldempfang bestätigten, die allerdings unter Erpressung unterschrieben wurden. Hätte man die Listen nicht unterschrieben, hätte es ein Embargo an Freiwilligen gegeben. Dasselbe Spiel, das ich auch an der Wannarat erlebt hatte. Diese Listen waren also rein gar nichts wert. An der Wannarat tragen sich die Freiwilligen allerdings an jedem Tag in Anwesenheitslisten ein und bestätigen darin ihre Anwesenheit mit ihrer Unterschrift, was die Sache für mich deutlich einfacher machte. So erstellte ich an einem Wochenende jeweils eine Liste von zwei Projekten, die mir sehr gut bekannt waren und hohes Potential für Veruntreuung hatten. Dabei handelte es sich um Privatschulen, die froh waren wenn sie Freiwillige bekamen und nicht nach Geld fragten, wenn keines ausgehändigt wurde. Meist sah meine Woche so aus, dass ich von Mo. bis Fr. von 8:00 bis 17:00 Uhr an der Wannarat unterrichtete und Freitagnachmittag dann bis Sonntagabend nach Singburi fuhr um dort weitere 30 Stunden zu arbeiten. Wer 30 Stunden durch zweieinhalb Tage teilt kann sich meine Arbeitszeit in etwa ausrechnen. Montagmorgens schleppte ich mich dann mit müden Augen wieder in die Klassenzimmer. Die ersten beiden Wochen waren hart, aber Gott sei dank ist der Mensch ja ein Gewohnheitstier, so dass die dritte Woche, die ich nun durcharbeite schon gar nicht mehr so schlimm ist. Man gewöhnt sich tatsächlich an alles. Sogar an eine 75 Stunden Woche. Und ich dachte die 60 Stunden Woche mit DRK-Zivi, Tauchlehrer bzw. Divemaster und Arbeit im Fielmann wäre schon heftig gewesen. Wohlgemerkt tue ich das alles ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen. Manchmal denke ich mir wahrhaftig, dass mich ein Gaul getreten haben muss, damit ich so was mache. Wer arbeitet schon 75 Stunden umsonst und zahlt dafür noch Programmgebühr? Wahrscheinlich ist es einfach die persönliche Überzeugung und die Ehre, die mich dazu treibt. Eine andere Erklärung kann ich dafür nicht finden. Jetzt versteht ihr vermutlich auch, warum ich so lange nicht mehr zum Blogschreiben gekommen bin. Erst heute ist einer der wenigen Tage, an denen ich recht früh aus der Schule gekommen bin und einige Dinge erledigen konnte. Man muss allerdings auch fairerweise sagen, dass die 75 Stundenwoche durch die thailändische Flexibilität manchesmal auch den ein oder anderen ungewollten Freizeiteinschub enthält. Dazu später mehr. Bereits nach den ersten Recherchen wurden der Koordinator und seine Frau vom Dienst suspendiert und mittlerweile sogar der Polizei vorgestellt. Auch ich muss dort eine Aussage machen bzw. einen Report abgeben. Meine schriftlichen Dokumentationen über den rekonstruierten Geldfluss wurden dort schon verwendet und als Beweismittel akzeptiert. Der Koordinator, seine Frau und die drei Projekte, die mit dem Exgreenwaykoordinator kooperierten müssen nun die von mir berechneten Summen an die jeweiligen Projekte zurückzahlen, was sie auch angeblich (nicht wirklich geschehen kann ich im Nachhinein sagen) mit Unterschrift bei den Behörden bestätigten. Pro Projekt sind dies schon mal gut über 1000 Euro. Gott sei dank sind wir relativ früh auf die Sache aufmerksam geworden, da sich die großen Beträge erst innerhalb der letzten drei bis vier Monate angesammelt hatten. Das System bestand allerdings schon seit zwei Jahren. Bis jetzt habe ich die Listen von zwei Privatschulen abgeglichen und die dortige Veruntreuung offen gelegt. Noch scheint der Koordinator diese Summen zurückerstatten zu können. Falls ich weiter recherchieren würde und auf weitere Summen dieser Größenordnung stoßen würde, könnte das den Gang ins Gefängnis für denjenigen und seine Komplizen bedeuten. Und ehrlich gesagt finde ich es schon heftig was dort jahrelang lief, aber ich möchte jemanden auch nicht wirklich ins thailändische Gefängnis katapultieren. Daher widmete ich mich primär dem Preventionssystem und wartete ein persönliches Gespräch mit Patrick ab, wie wir weiter vorgehen sollen.
Merkwürdig ist außerdem, dass mich plötzlich viele Greenwaymitarbeiter anrufen und mir für meine Leistung danken. Sehr viele hatten das schon geahnt, aber keiner hatte sich getraut etwas verlauten zu lassen. Zu groß war der Respekt vor dem eigenen Mitarbeiter und zu groß die Angst, dass man auch falsch liegen könnte. Dass erst ein Freiwilliger eine Veruntreuungsaffäre über die deutsche Partnerorganisation aufdecken muss ist daher schon wirklich erbärmlich.

Zwischendurch wurde ich darum gebeten mit einer chinesischen Familie, die eines Tages hier anreiste, eine Einführung in das Greenwaysystem zu machen. Patrick bat mich am Telefon darum mich speziell auch um diese Leute zu kümmern. Zusammen mit der PR und Marketingangestellten klärte ich die Chinesen dann über die Idee, die Projekte und den Ablauf auf. Ich war selbst erstaunt wie viel ich über Greenway wusste, so dass die PR-Frau den kleinen Vortrag mir überließ. Weiterhin kannte sie keine Projekte, so dass sie die Führung der lokalen Sehenswürdigkeiten übernahm, während ich dann die Projekte anfuhr und sie vor Ort erklärte. Auch hier waren mir meine geknüpften Beziehungen wieder gold wert. Abends gingen wir mit den Chinesen dann noch in ein nettes Barbecuerestaurant essen, was den Abend abrundete. Die chinesische Familie war absolut von unserem Patchwork begeistert und lud mich direkt für die kommende Woche zum Essen ein. Es war wirklich ein lustiger Abend und auch eine Begegnung bei der ich meine Vorurteile dem chinesischen Volk gegenüber gänzlich abbauen konnte. Bei der ganzen Besprechung ging es um die Planung eines Joint Ventures bzw. mit dem Aufbau von Greenwaycamps in China. Also durchaus wieder eine ehrenwerte Aufgabe, die ich da zugeteilt bekommen hatte. Glücklicherweise mit der Hilfe von Tan (die PR-Frau) bravourös gemeistert. Natürlich wurde ich auch gleich nach China eingeladen und erhielt eine Visitenkarte mit Emailadresse und Telefonnummer. Außerdem wurde laut der Gedanke geäußert, dass ich doch dann die Camps in China managen könnte, was aber für mich nicht wirklich attraktiv war.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmals für die magere Bildausbeute entschuldigen, aber mehr Bilder gibt es zu dieser Geschichte leider nicht. Nächsten Dienstag wird es für mich noch die Präsentation des neuen Systems vorzuführen sein und nachdem ich anschließend bei der thailändischen Polizei meine Aussage gemacht habe ist die ganze Sache hoffentlich erledigt. Zwar gäbe es noch zig weitere Möglichkeiten nachzuforschen und vermutlich andere Missstände aufzudecken, aber da nun schon aus Angst einige Mitarbeiter Greenways selbstständig ohne Angaben von Gründen gekündigt haben, gehen wir davon aus, dass sich die entsprechenden Leute ohnehin aus dem Staub gemacht haben. Neue Veruntreuungen auf diesem Wege wird es mit dem neuen System ja auch nicht mehr geben und falls wir weitere Summen ausfindig machen würden, würde es ernsthaft die Existenz der Täter gefährden, bzw. sie sogar ins Gefängnis bringen. Das allerdings wollen Patrick und ich eigentlich tunlichst vermeiden. Ich möchte das Geld bei den Projekten sehen und Patrick eine saubere Abwicklung.